Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Wildtiere aus dem Nationalpark verbannt: WWF fordert Rücknahme des Kärntner „Jagdübereinkommens“
Klagenfurt / Wien, am 24. Februar 2020. (OTS) – Die Naturschutzorganisation WWF Österreich fordert die sofortige Rücknahme des skandalösen Kärntner „Jagdübereinkommens“, wonach geschützte Arten wie Wolf, Bär, Luchs oder Fischotter im Nationalpark Hohe Tauern „nicht willkommen“ seien und von Erhaltungsmaßnahmen und Forschung ausgeschlossen werden sollen. „Damit würde die Landespolitik ausgerechnet in einem Nationalpark den Naturschutz und das geltende EU-Recht aushebeln. Das ist völlig inakzeptabel und wäre eine internationale Blamage für Kärnten und Österreich“, kritisiert Nationalpark-Experte Bernhard Kohler vom WWF Österreich. „Die ausgeschlossenen Tiere haben eine wichtige Rolle im Ökosystem und wo, wenn nicht in einem Nationalpark soll diese zur Entfaltung kommen? Noch dazu ist es gerade bei diesen Arten besonders wichtig, wissenschaftlich solide Daten zu haben“, sagt Kohler.
Der WWF Österreich wird das Jagdübereinkommen rechtlich prüfen und mit allen gebotenen Mitteln dagegen vorgehen. Der Nationalpark Hohe Tauern Kärnten ist Natura 2000-Gebiet und sowohl innerhalb wie außerhalb der Natura-2000-Grenzen besteht eine klare Erhaltungsverpflichtung für die von der EU-FFH-Richtlinie geschützten Arten Fischotter, Wolf, Bär und Luchs. „Deshalb wäre es auch EU-rechtswidrig, diese Verpflichtungen politisch außer Kraft zu setzen“, sagt Kohler. Der WWF behält sich deshalb vor, die EU-Kommission in Hinblick auf einen Verstoß gegen das Unionsrecht mit dem Fall zu befassen. Auch wird die IUCN einzuschalten sein, die mit ihrer World Commission on Protected Areas über die internationale Anerkennung von Nationalparks wacht. Aus Naturschutzsicht absolut verfehlt ist die im Übereinkommen getroffene Festlegung, keine Forschung zu betreiben oder zu finanzieren, da ja damit zu rechnen ist, dass zumindest Wolf, Bär und Fischotter den Nationalpark früher oder später von selbst besiedeln werden. Bernhard Kohler: „Was es bringen soll, nicht über diese Tiere Bescheid wissen zu wollen – also kein Monitoring vorzusehen – ist völlig unverständlich."
Nach Informationen, die dem WWF vorliegen, wurde das Übereinkommen nicht mit der Nationalparkverwaltung abgestimmt und es gab keine Berücksichtigung für fachliche Anmerkungen seitens der Verwaltung. Letztlich wurde das Abkommen ohne die Nationalparkverwaltung unterzeichnet. „Mit dieser Vorgangsweise hat die Kärntner Politik den guten Weg einer ausgewogenen Zusammenarbeit zwischen Nationalpark, Grundbesitzern und Jägerschaft verlassen und den Nationalpark der Gefahr eines internationalen Imageschadens ausgesetzt“, bedauert Bernhard Kohler. Der WWF Österreich fordert die sofortige Rücknahme des skandalösen und naturschutzschädigenden Jagdübereinkommens sowie einen Runden Tisch unter Einbeziehung sämtlicher Beteiligter.
Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan, Pressesprecher WWF Österreich, Tel. 0676 83 488 308, E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
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