Umweltschutzorganisation fordert umfassende Umweltprüfung in Kronstorf nach Fall in Niederösterreich – Bundesregierung muss eindeutige Regeln für große Rechenzentren im UVP-Gesetz verankern
WWF: Eis in Arktis schmilzt noch schneller als erwartet
Wien/Gland, 24. 4. 2008 – Eine heute veröffentlichte Studie im Auftrag des WWF zeigt, dass die arktischen und Grönlandeispanzer noch schneller abschmelzen als bisher angenommen. Die Studie „Arctic Climate Impact Assessment (ACIA) aus dem Jahr 2005 wurde von der neuen WWF-Studie nicht nur bestätigt sondern die damals erhobenen Trends des Klimawandels im arktischen Raum sind schlimmer als bisher angenommen. Die Ergebnisse dieser neuen Studie zeigen, dass der Klimawandel in der Arktis auf allen Ebenen stattfindet. Vor allem das Festlandeis auf der Insel Grönland und das arktische Meereseis sind davon stark betroffen. „Wenn das Grönlandeis in diesem Tempo weiter abschmilzt muss sich die Welt auf katastrophale Auswirkungen in den nächsten Jahrzehnten einstellen“, befürchtet WWF-Klimaschutzexpertin Kathrin Hebel.
Der arktische Raum erwärmt sich doppelt so stark wie der Rest der Welt. Die Meerestemperaturen im Sommer 2007 lagen um bis zu fünf Grad über dem Normalzustand. Im September 2007 erreichte die Ausdehnung des arktischen Eises 4,3 Millionen Quadratkilometer, das bedeutet einen Eisverlust auf 39 Prozent im Vergleich zu 1979, als die Satellitenbeobachtung begann. Das führte dazu, dass die Nordwestpassage 2007 eisfrei wurde. Die meisten Studien gehen davon aus, dass bis zur Mitte dieses Jahrhunderts das arktische Sommereis vollständig geschmolzen sein wird. Eine neue Studie unter der Leitung von Maslowski Whelan vermutet sogar, dass dieser Zustand bereits 2013 erreicht sein wird. Das Schmelzen des arktischen Eises führt dazu, dass noch mehr Sonnenwärme in den arktischen Meeren absorbiert wird und sich der globale Klimawandel beschleunigt.
Auch die kilometerdicken Eispanzer in Grönland schmolzen in den letzten Jahren schneller als erwartet, so die neue WWF-Studie. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Eisschmelze in Grönland einen „tipping point“ erreichen könnte, der dazu führt, dass das Grönlandeis mit einem Volumen von 2,9 Millionen Quadratkilometern unaufhaltbar vollständig abschmelzen könnte. Sollte dies eintreten, würde der Meeresspiegel weltweit um 7,3 Meter steigen. Die katastrophalen Folgen wären eine Veränderung der Landkarten aller küstennahen Regionen und der Untergang vieler Städte.
Die WWF-Studie befürchtet katastrophale Auswirkungen auf die gesamte Ökologie der Meere und in Grönland. Das Überleben vieler arktischer Arten ist bereits jetzt massiv gefährdet, allen voran der Eisbär. Aber auch für die Bewohner der arktischen Regionen wird der Klimawandel gravierende Veränderungen bedeuten. „Diese neuen Entwicklungen wurden von der UNO-Klimaschutzorganisation (IPCC) bisher nicht ausreichend berücksichtigt“, sagte Hebel. Denn die massive Eisschmelze in der Arktis trägt auch zum globalen Klimawandel bei. Millionen Tonnen Methan sind derzeit noch im Permafrostboden gespeichert. Sollten diese frei gesetzt werden, bewirkt dies einen weiteren Anstieg der globalen Temperatur, da Methan ein noch stärkeres Klimagift ist als CO2. „Es geht jetzt nicht mehr nur darum, die Schutzgebiete in der Arktis zu erhalten sondern ohne es braucht wirksame internationale Anstrengungen, die globale Durchschnittstemperatur unter zwei Grad zu halten um die Arktis zu retten“, so Hebel abschließend.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231.
WWF-Studie zum Download: siehe unten
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Erfolg: Flussdelfin-Nachwuchs im Mekong
6 Kälber der vom Aussterben bedrohten Irawadi-Flussdelfine wurden heuer in Kambodscha geboren – ein großer Erfolg im Artenschutz! Ein herzerwärmendes Video zeigt den Nachwuchs.
WWF: Nachwuchs-Rekord bei stark bedrohten Flussdelfinen im Mekong gibt Hoffnung
Zahl der vom Aussterben bedrohten Irawadi-Flussdelfine in Kambodscha steigt auf 118 Tiere – Heuer sechs Kälber geboren – WWF erfreut über positives Ergebnis intensiver Artenschutzmaßnahmen
EU-Klimaresilienz: 34 Organisationen fordern Vorrang für naturbasierte Lösungen
Offener Brief an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen – Städte- und Gemeindeverbände, Wasserversorger und Fischerei fordern Natur als Europas „erste Verteidigungslinie“
Good News: So viele Seeadler-Paare wie noch nie in Österreich
Neuer Rekord in Österreich: 123 territoriale Seeadler-Paare konnten gezählt werden. Ihr Lieblingsplatz ist das Waldviertel.
WWF zu CloudHQ: Großrechenzentren brauchen verpflichtenden Umweltcheck
Umweltschutzorganisation begrüßt UVP für 6,7-Hektar-Projekt in Leopoldsdorf – WWF fordert einheitliche Bundesregeln statt Fleckerlteppich
WWF-Auswertung: Renaturierungsplan vernachlässigt Grünflächenschutz in Städten
Über 90 Prozent der im Entwurf gelisteten Gemeinden rechnerisch ausgenommen – Niederösterreich fehlt komplett – WWF kritisiert nachgereichtes Minimalprogramm als ambitionslos
Neuer Seeadler-Rekord in Österreich: WWF-Zählung erfasst so viele Paare wie noch nie
Konsequenter Schutz zeigt Wirkung: 123 territoriale Seeadler-Paare in Österreich – Hotspot im Waldviertel – Illegale Verfolgung bleibt große Bedrohung
WWF zu Klimaneutralität 2040: Fossile Abhängigkeit ist die wahre Standort-Hypothek
Umweltschutzorganisation weist IV- und WKO-Kritik zurück – Verbindliches Klimaziel schafft Planungssicherheit, senkt Energieabhängigkeit und stärkt Innovation – WWF fordert wirksame Maßnahmen für die Umsetzung













