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WWF: Europa geht der Speisefisch aus
Wien, 09.07.2019 – Rechnerisch hat Europa ab morgen seine Fisch-Ressourcen verbraucht und ist das restliche Jahr auf den Import von Fisch und Meeresfrüchten angewiesen. Der europäische "Fischabhängigkeitstag" fällt heuer auf den 9. Juli. Österreich geht der heimische Fisch bereits am 17. Jänner aus. EU-Länder verbrauchen weit mehr, als in ihren Gewässern gefangen oder durch Zucht produziert werden kann. Mehr als die Hälfte des in der EU konsumierten Fischs wird importiert. 50 Prozent aller Einfuhren entfallen auf Entwicklungsländer, die selbst in hohem Maße von Fisch als lebensnotwendige Protein- und Einkommensquelle abhängig sind. „Wenn uns der Fisch nicht ausgehen soll, müssen wir globale Politik und Konsum in eine nachhaltige Richtung lenken. Bereits jetzt sind 33 Prozent der weltweiten Fischpopulationen überfischt und weitere 60 Prozent bis an nachhaltige Grenzen befischt“, warnt Axel Hein, Meeresbiologe des WWF Österreich.
Österreich: geringer Verbrauch, höchste Importabhängigkeit
Länder, die ihren Eigenbedarf oder mehr produzieren, gelten als autark (z. B. Kroatien, Niederlande, Irland). Die große Mehrheit ist auf Fischimporte zur Deckung der Nachfrage angewiesen. Österreich steht an der Spitze jener Länder mit der höchsten Importabhängigkeit und hat einen entsprechend frühen Fischabhängigkeitstag (17. Jänner). Slowenien (15. Februar), Slowakei (18. Februar), Belgien (22. Februar), Rumänien (29. Februar), Malta (31. März), Italien (6. April), Litauen (30. April), Deutschland (4. Mai), Portugal (5. Mai) und Spanien (26. Mai) folgen auf den Plätzen.

Gemessen am Pro-Kopf-Verbrauch liegt Österreich mit jährlich 13,4 kg auf Platz 20 von 28 Staaten. Davon landen rund 8 kg auf den Tellern der Konsumenten, der Rest im Tierfutter oder Abfall. Portugal (55,3 kg), Spanien (46,2 kg), Litauen (44,7 kg), Frankreich (34,4 kg) und Schweden (33,2 kg) haben die höchsten Verbrauchswerte in der EU. Ein Drittel des europäischen Fischkonsums geht auf das Konto dieser fünf Länder. Im Durchschnitt verbrauchen Europas Bürger 22,7 kg Fisch und Meeresfrüchte pro Jahr.

"Trotz niedrigem Verbrauch hat Österreich in weniger als einem Monat seine jährlichen Fisch-Ressourcen verbraucht. Kein anderes europäisches Land ist stärker von Importen abhängig", sagt Hein. Der europäische Fischabhängigkeitstag ist heuer etwa einen Monat früher als im Jahr 2000. Vor dreißig Jahren konnte Europa die Nachfrage noch bis September oder Oktober mit Fisch aus heimischen Gewässern decken, so die Berechnungen der New Economics Foundation.
Obwohl sich einige Fischbestände durch Maßnahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU stabilisiert haben, ist der Selbstversorgungsgrad immer noch zu niedrig und sind zu viele Populationen überfischt. Nach Angaben der EU-Kommission gelten 41 Prozent der untersuchten Bestände im Atlantik als überfischt. Im Mittelmeer sind es 88 Prozent.
„Der Kampf gegen Überfischung ist eine Frage der globalen Ernährungssicherheit. Konsumenten können ihren Beitrag zum Schutz von Meeren und Menschen leisten, indem sie sich für nachhaltige Produkte entscheiden“, schließt Hein und verweist auf die Empfehlungen im WWF Fischratgeber.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák, Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at, +43 676 83 488 276
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