Juli-Abflüsse an 90 Prozent der Pegel-Messstellen sehr niedrig – Burgenland, Vorarlberg und Niederösterreich besonders betroffen – WWF fordert mehr Gewässerschutz und Renaturierung
WWF fordert neues Leben für Österreichs Flüsse
Wien, 6. Juni 2014 – Österreichs Flüsse sind sauber, aber nicht lebendig. Das ist das Fazit des WWF. Durch die katastrophalen Schäden der Hochwässer in Österreich in den letzten Jahren und heuer in Südosteuropa wird deutlich, welche zerstörerische Kraft das Wasser entfalten kann. „Intakte Flüsse mit ausreichend Überschwemmungsgebieten sind wichtige Zutaten zu einer Hochwasservorsorge im Einklang mit der Natur und bieten auch einer großen Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten wertvollen Lebensraum“, stellt WWF-Flussexperte Christoph Walder klar. Mit der Renaturierung von Flüssen soll deshalb in ganz Österreich nicht nur neuer Lebensraum für bedrohte Arten geschaffen sondern auch ein Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet werden. Positive Beispiele aus Österreich wurden bereits an Lech, Traun und Drau umgesetzt. In der heute Freitag stattfindenden ORF Show „Mutter Erde braucht dich“ um 20.15 Uhr in ORF Eins werden positive Flussrenaturierungen am Beispiel des Tiroler Inn vorgestellt. WWF-Ehrenpräsident Helmut Pechlaner und WWF-Flussexperte Christoph Walder werden die Projekte in der Sendung präsentieren.
Das Umdenken, dass unsere Flüsse wieder mehr Platz brauchen, hat auch in Österreich bereits eingesetzt. „Damit unsere Gewässer wieder lebendiger werden, brauchen wir ein bundesweites Schutzprogramm mit hunderten Maßnahmen und ausreichenden Finanzmitteln“, so Walder in einem Appell an Bundes- und Landesregierungen.
In den vergangenen Jahrzehnten hat Österreich vor allem durch die Errichtung von Wasserkraftwerken und andere Flussverbauungen rund 30.000 Kilometer Fließgewässer reguliert. Tausende Hektar Überflutungsräume wurden dadurch vom Flussbett abgeschnitten. Die Folgen sind nicht nur ein massiver Verlust an wassergebundenen Tier- und Pflanzenarten sondern auch eine sich verschärfende Hochwassersituation. Ein großer Teil der „Naturkatastrophe“ Hochwasser wird durch menschliche Verfehlungen verstärkt, nämlich durch Fehler im Flussbau und in der Raumplanung sowie durch die halbherzige Umsetzung effizienter Klimaschutzmaßnahmen.
Im Rahmen des ORF-Schwerpunkts „Mutter Erde“ wird anhand des Tiroler Landesflusses der dramatische Flächenverlust für den Inn gezeigt. Von ursprünglich rund 1.800 Hektar Auen sind heute nur noch fünf Prozent übrig geblieben. Der Fluss ist über weite Strecken hart verbaut und kanalisiert. Von ehemals 33 Fischarten kommen heute hier nur noch drei Arten in nennenswerten Beständen vor. Doch der Inn ist nur ein Beispiel für die dramatische Situation in der sich Österreichs Flüsse befinden. „Eine nationale Renaturierungsoffensive, bei der unsere Flüsse renaturiert und aufgeweitet werden und darüber hinaus Überschwemmungsflächen gesichert und neue geschaffen werden, ist das Gebot der Stunde. Damit wäre nicht nur der Natur geholfen, weil bedrohte und seltene Arten wieder neuen Lebensraum finden. Diese Maßnahmen leisten auch einen wichtigen Beitrag zu mehr Hochwassersicherheit in Österreich“, so Walder. Nach den Ergebnissen der WWF-Studie „Jeder Hektar zählt“ könnten in Österreich mindestens 84.000 Hektar Flussräume neu geschaffen werden – das ist eine Fläche, fast drei Mal so groß wie der Neusiedlersee.
Klimawandel, Wasserknappheit und galoppierender Artenverlust – die Liste der Umweltprobleme, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen, ist lang. Darum findet heute um 20.15 Uhr in ORF Eins die Spendengala der Initiative „Mutter Erde“ zum Thema Wasser statt, in der für Umwelt- und Naturschutzprojekte in ganz Österreich und weltweit Spenden gesammelt werden. Die international einzigartige Initiative des ORF mit österreichischen Umweltschutzorganisationen wie Alpenverein, BirdLife, GLOBAL 2000, Greenpeace, Naturfreunde, Naturschutzbund, VCÖ und WWF will ein breites Bewusstsein für die dringlichsten Umweltprobleme unserer Zeit schaffen und zeigen, dass eine andere Welt möglich ist.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Leiter Medien WWF, Tel. 01-48817-231, E-Mail: franko.petri@wwf.at.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Toni Innauer wirbt für den Lech als „Fluss des Jahres“
Tiroler Wildfluss steht beim österreichweiten WWF-Voting zur Wahl – Olympiasieger mobilisiert für den Schutz der letzten naturnahen Flusslandschaften
Klimakrise als Brandbeschleuniger: WWF fordert mehr Tempo bei Waldumbau
Klimakrise erhöht Waldbrandgefahr in Österreich dramatisch – Monokulturen besonders anfällig – WWF fordert Stärkung der Wasserspeicher-Funktion naturnaher Wälder durch “Schwammwald-Offensive”
Good News: Nashorn-Wilderei in Namibia geht zurück
In Namibia wurden 2025 so wenige Nashörner gewildert wie seit mehr als 10 Jahren nicht mehr. Der Rückgang um 53% zeigt, dass konsequenter Artenschutz wirkt.
Tag des Tigers: WWF ortet Licht und Schatten beim Schutz der bedrohten Großkatzen
Nur mehr 5.500 wilde Tiger weltweit – Wilderei und illegaler Handel weitgehend ungestraft – Verlagerung von Handel mit Tiger-Präparaten ins Internet – Neue Schätzungen aus Nepal und China geben Hoffnung
WWF: Europas Meere in dramatischem Zustand – EU muss endlich handeln
Bericht zeigt alarmierende Entwicklung: Artensterben, Klimakrise und Verschmutzung setzen europäischen Meeren massiv zu – WWF fordert verbindlichen Meeresschutz im EU Ocean Act
Wasserkrise und Tiersterben: WWF fordert Krisengipfel zur Rettung der Unteren Lobau
Bürgermeister, Umweltstadträtin und Umweltminister sollen Sofortmaßnahmen gegen die Wasserkrise vereinbaren – Weiteres Zuschauen wäre völlig verantwortungslos
Tiefsee in Gefahr: Staaten entscheiden über Moratorium für Rohstoffabbau am Meeresgrund
Vollversammlung der internationalen Meeresbodenbehörde startet am Montag in Jamaika – Massiver Druck könnte Moratorium gefährden – WWF fordert das Verhindern einer Umweltkatastrophe
Vorarlberg – WWF kritisiert geplante Bibertötungen scharf
Neue Verordnung soll Tötung von bis zu 32 Tieren jährlich ermöglichen – Naturschutzorganisation fordert Vorrang für Prävention und unabhängige Einzelfallprüfung













