WWF kritisiert EU-rechtswidrige Verordnungen und ausgehebelte Einzelfallprüfungen – Tötungen können zwei Jahrgänge von Jungtieren treffen – Vorrang für Prävention gefordert
WWF: Größte Wiederbesiedlung mit Wisenten in Europa
Wien/Bukarest, 16. Mai 2014 – Morgen Samstag werden auf Initiative des WWF und seiner Partnerorganisation „Rewilding Europe“ 20 Wisente in den rumänischen Südkarpaten freigelassen. Die in den Tarcu-Bergen seit mehr als 200 Jahren ausgestorbenen Tiere sind die größten Landsäugetiere Europas und stammen aus Erhaltungszuchten mehrerer europäischer Länder. „Dies ist die ambitionierteste Wiederansiedlung der imposanten Verwandten des amerikanischen Bisons, die je in Europa stattgefunden hat“, so der WWF. Zahlreiche Gäste und Medien aus ganz Europa werden zu dem seltenen Ereignis erwartet.
Die Aktion ist Teil eines größeren Projekts, bei dem in den nächsten zehn Jahren regelmäßig weitere Tiere in mehreren Teilgebieten der Südkarpaten frei gesetzt werden. Die Wildnis-Initiative „Rewilding Europe“ und der WWF in Rumänien planen noch im heurigen Sommer weitere zehn Tiere freizulassen. Die Wisente werden nicht gefüttert und sollen sich möglichst schnell in ihren natürlichen Lebensraum einfügen. Zuerst dürfen die Tiere in eine 15 Hektar große Zone um sich an die örtlichen Gegebenheiten zu gewöhnen. Dabei bilden sie auch die Herdenstruktur und Rangordnung aus. Im September öffnen sich die Gatter zu einem 160 Hektar großen Auswilderungsgehege, von dem aus die Tiere die freie Landschaft erobern können. Die Wisent-Herde wird die erste sein, die seit dem 18. Jahrhundert in den Südkarpaten frei umherstreifen darf.
Der neue Lebensraum der Wisente ist Teil der Tarcu-Berge, die in einem 59.000 Hektar großen Natura 2000 Gebiet liegen. In dieser Region kommen neben anderen Wildtieren auch Bären und Wölfe vor, zu deren Beutetieren Wisentkälber früher gehörten. Mit der Wiederansiedlung sollen auch die früheren ökologischen Beziehungen zwischen den großen Beutegreifern und den Wisenten wieder aufleben. Bis 2025 sollen in den 1,4 Millionen Hektar großen Südkarpaten mindestens 500 Wisente in mehreren Herden leben, wünschen sich der WWF und seine Partner.
Für die Region bedeutet die neue Wisent-Herde eine besondere Entwicklungschance, da die in einer sehr naturnahen Landschaft lebenden Wisente eine besondere touristische Attraktion darstellen werden und zahlreiche Gäste aus ganz Europa anlocken sollen. Es ist ein eigenes Besucherzentrum geplant und die Gemeinde Armenis erhofft sich durch den Wisent-Tourismus neue Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten. Der WWF und „Rewilding Europe“ arbeiten mit der Gemeinde, den Forst- und Jagdbehörden, Tourismusorganisationen und Unternehmern intensiv zusammen um die Wiederansiedlung sowohl zu einem Naturschutzerfolg, als auch zu ein regionalwirtschaftlichen Impuls zu machen . Die Gemeinde Armenis und ihr Bürgermeister sprachen sich einstimmig für die Wisent-Wiederansiedlung aus. Bereits jetzt wurden Wisent-Ranger ausgebildet, die die europäischen Verwandten des amerikanischen Bisons den Touristen näher bringen sollen.
In Zentraleuropa starb der Wisent – ähnlich wie der Auerochse – im Frühmittelalter aus. In Rumänien wurden sie erst im 18. Jahrhundert ausgerottet. Im Urwaldgebiet von Bialowieza in Polen hielten sich freilebende Wisente bis ins 20. Jahrhundert. Dieser mehr als 700 Tiere umfassende Restbestand fiel allerdings in den Wirren des 1. Weltkriegs zur Gänze der Wilderei zum Opfer. Ab den 1920er Jahren wurden alle zu diesem Zeitpunkt in Zoos gehaltenen Wisente zu einer Erhaltungszucht zusammengefasst. Ab 1952 konnte mit Auswilderungsprojekten begonnen werden. Heute leben nach erfolgreichen Wiederansiedlungsaktionen freilebende Wisent-Herden in neun europäischen Ländern, die größten Verbände davon in Polen. Die Gesamtzahl der Tiere, die nicht in Zoos leben, beträgt heute 3.400 Exemplare. Die Initiative in Rumänien wurde durch die Zusammenarbeit mehrerer Naturschutzorganisationen, Großspender und die Verwaltung der Wisent-Populationen in mehreren europäischen Ländern möglich.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, WWF Pressesprecher, Tel. 01-48817-231, E-Mail: franko.petri@wwf.at,
Adrian Hagatis, WWF Projektkoordinator Südkarpaten, WWF Rumänien: ahagatis@wwfdcp.ro
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