EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF: Natur und Arten jeden Tag aufs Neue unter Beschuss
Presseaussendung WWF
Wien, 19. September 2017. Der Zerstörungsgrad unserer Natur ist mehr als bedrohlich und er nimmt mit rasendem Tempo immer weiter zu. Für die Umweltorganisation WWF mehren sich die Anzeichen deutlich, dass speziell gegen einige Tierarten ganz gezielt Stimmung gemacht wird. „Die große Mehrheit der Österreicher spricht sich klar für Arten wie zum Beispiel Wolf, Luchs und Bär in Österreich aus. Für Teile der Politik ist dies aber noch lange kein Grund, einen positiven Zugang zu den Rückkehrern zu entwickeln und geeignete Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass ein harmonisches Miteinander von Mensch und Tier möglich ist“, so Christian Pichler, Artenschutz-Experte beim WWF.
Die Haltung einiger politisch Verantwortlichen gegenüber diesen Arten ist mehr als deutlich: „Wollen wir nicht“, lautet die Devise – und diese ist aus der Sicht des WWF in erster Linie der Klientelpolitik und den damit verknüpften Einzelinteressen geschuldet. Die logische Konsequenz dieser Attitüde: Es mehren sich die Anzeichen, dass gegen diese Arten verstärkt illegal vorgegangen wird.
Für den WWF ist die Entwicklung eine „Tragödie mit unzähligen Akten“, so Pichler, der exemplarische Fälle der jüngeren Vergangenheit in Erinnerung ruft: „Der Braunbär wurde bereits zum zweiten Mal in Österreich ausgerottet, im Fall Roznik in Kärnten kam es gar zu einem rituellen Abschlachten eines besenderten Bären, der aus Slowenien eingewandert war. Gegen Greifvögel wie Adler oder Rotmilan werden systematisch Giftköder eingesetzt, Schüsse auf Luchse kommen mittlerweile in regelmäßigen Abständen vor und bei Wölfen wird enormer Druck in Richtung wolfsfreier Zonen gemacht.“
Was hier stattfindet, ist aus der Sicht des WWF eine Art Partisanenkampf gegen streng geschützte heimische Wildtiere. „Wir befürchten, dass sich die Dunkelziffer der illegalen Abschüsse weiter erhöhen wird. Gerade die letzten Wortmeldungen der Tiroler und Niederösterreichischen Jägerschaft zur natürlichen Rückkehr des Wolfes sind äußerst kontraproduktiv für die Bemühungen, die Wildtierkriminalität auszuschalten“, so Pichler.
Der WWF hofft jetzt, dass die Politik und die zuständigen Behörden ihre Anstrengungen zum Schutz der bedrohten Arten verstärken. „Und bei einer Reihe von Jagdfunktionären wäre es gut, wenn sich die erhitzten Gemüter wieder etwas abkühlen und die Kernaufgabe der Jägerschaft – die Hege und Pflege aller Tierarten – wieder klar und deutlich in deren Bewusstsein rücken würde“, so Pichler abschließend.
Rückfragehinweis:
Mag. Gerhard Auer, Pressesprecher WWF, 0676 83 488 231, gerhard.auer@wwf.at
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