Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
WWF-Report: 110 neue Arten in Mekong-Region entdeckt
Exotische Highlights: Facehugger-Pflanzen, Herr-der-Ringe-Fische und eine Schildkröte mit Rüssel – Südostasiens Schatzkammer der Artenvielfalt durch Entwaldung und illegalen Wildtierhandel bedroht
Wien, 16.07.2020 – Eine Schildkröte mit Rüssel, ein Fisch der nach Bruinen-Fluss aus "Der Herr der Ringe" benannt wird und eine Pflanze, die aussieht wie ein Facehugger-Ei aus den Alien-Filmen – das sind nur einige der 110 neu entdeckten Tiere und Pflanzen, welche die Naturschutzorganisation WWF im aktuellen New Species Report Greater Mekong ausweist. Gefunden wurden die neuen Arten 2018 und 2019 allesamt in der Mekong Region, die sich über Laos, Vietnam, Thailand, Myanmar und Kambodscha erstreckt und als Schmelztiegel der Artenvielfalt gilt.
„Südostasien ist eine wahre Schatzkammer für Tiere und Pflanzen. Und die Wissenschaft hat die Tür bisher nur einen Spalt breit aufgestoßen. Wir dürfen gespannt sein, was uns dort noch an Wundern der Natur erwartet“, schwärmt Georg Scattolin, Artenschutzexperte des WWF Österreich. Zugleich warnt er: „Massive Lebensraumzerstörung, riesige Wasserkraftanlagen und Wilderei im großen Stil bedrohen die Region. Unser Ziel muss es sein, die biologisch wertvollen Gebiete am Mekong grenzüberschreitend und dauerhaft zu schützen sowie die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Gesunde und intakte Ökosysteme kommen dabei auch der lokalen Bevölkerung zugute.“ In den vergangenen 20 Jahren wurden in der Region ‚Greater Mekong‘ über 2.500 neue Arten entdeckt, darunter zahlreiche Säugetiere und Vögel.
So schwamm der nach einem Fluss aus "Der Herr der Ringe" benannte Fisch Acantopsis bruinen jahrhundertelang unbemerkt im Mekong und seinen Nebenflüssen, die nicht selten, ähnlich dem phantastischen Namenspaten, durch nebelige Hochwälder fließen. Im Nordosten Thailands wurde eine Pflanze Ceropegia foetidiflora gefunden, die optisch stark an eine kleine Ausgabe jener Eiform erinnert, aus der im Film "Alien" die sogenannten "Facehugger" schlüpfen. Die neu entdeckte Pflanze entlässt allerdings keine Aliens, sondern nur einen muffigen Geruch in ihre Umwelt. Auffällig ist auch Pelodiscus variegatus: Die kleine, gefleckte Schildkröte hat eine Nase, die einer Miniaturausgabe eines Elefantenrüssels gleicht. Gefahr droht der neu beschriebenen Art durch Wilderei. Denn Weichschildkröten gelten als Delikatesse und werden zu hohen Preisen illegal gehandelt. Eine Augenweide ist auch Calamaria dominici. Die Zwergschlange begeistert mit einem gelb-schwarz-lila Muster und ernährt sich hauptsächlich von Würmern.
Die Kombination aus Gebirgen, Trockenwäldern, Feuchtgebieten und Mangroven sowie starken Regenfällen und einem feuchtheißen Klima ist einzigartig. Deshalb lassen sich auch viele der in der Mekong Region ansässigen Arten nirgendwo sonst finden. Von den dort entdeckten Amphibien kommen 54 Prozent ausschließlich in der Region vor, bei den Reptilien sind es 39 Prozent.
Laut WWF ist die Mekong-Region massiv bedroht. 150 Wasserkraftanlagen sind hier geplant. Im Zeitraum 1973 bis 2009 wurden jährlich etwa 1,2 Millionen Hektar Wald zerstört. Aktuell scheint die Entwaldung gestoppt. Doch die Region gilt zunehmend als Hotspot des illegalen Wildtierhandels. Der WWF fordert daher die wertvollen Gebiete am Mekong dauerhaft und grenzüberschreitend zu schützen. Das käme auch der dort lebenden Bevölkerung zugute. Illegale Wildtiermärkte sind zum Beispiel Sammelgruben für Viren und stellen ein Gesundheitsrisiko dar. Die Wasserkraftanlagen gefährden nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Ernährungssicherheit in Laos, Kambodscha und Vietnam.
Download ‚WWF New Species Report Greater Mekong‘: https://cutt.ly/gawW8ZW
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
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