Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
WWF zum Bericht des Weltklimarats: Raubbau an der Natur stoppen
Wien/Genf, am 8. August 2019. Der aktuelle Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) zeigt die dramatischen Auswirkungen unserer Landnutzung auf die Klimakrise. “Wir brauchen eine radikale Trendwende in der Landnutzung und eine naturverträgliche Klimaschutz-Offensive. Derzeit führt der menschliche Raubbau an der Natur zu unfruchtbaren Böden, Artensterben und sinkender Ernährungssicherheit“, sagt WWF-Klimasprecherin Lisa Plattner. „Die Wissenschaft dokumentiert die Klimakrise bereits seit 30 Jahren, aber ein entschiedenes politisches Handeln ist bis heute nicht in Sicht. Auf jedes Jahr des Abwartens folgen Dürre, Artensterben, Überschwemmungen, irgendwann wird uns auch die saubere Luft zum Atmen fehlen. Daher muss Natur- und Klimaschutz bei allen Entscheidungen berücksichtigt werden“, fordert Plattner einen Klimacheck aller Gesetze und Verordnungen sowie einen globalen Naturschutzpakt.
Der Mensch nutzt bereits rund 72 Prozent der globalen eisfreien Fläche und verursacht dabei 23 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen durch Entwaldung, landwirtschaftliche Nutzung und Tierhaltung. „Die Abholzung von Wäldern, die Umwandlung von Mooren und anderen Ökosystemen setzt Kohlenstoff frei, zerstört die biologische Vielfalt und trägt zu unfruchtbaren Böden bei“, so WWF Wald-Expertin Karin Enzenhofer. „Gerade in Österreich ist der Wald der größte CO2-Speicher. Den gilt es, möglichst naturnah zu bewahren und zu bewirtschaften. Nur mehr knapp drei Prozent unserer Wälder sind natürlich und nur ein Viertel naturnah, obwohl wir eine Gesamt-Waldfläche von 47 Prozent haben. Die Zukunft liegt vor allen in naturnahen Mischwäldern: sie fördern einen gesunden Boden und bieten Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.“
Klimakiller Fleisch
Der dramatische Verlust von Naturräumen – vor allem die Abholzung des Regenwaldes – befeuert die Klimakrise immens. Rund ein Drittel der Landfläche weltweit wird für die Landwirtschaft verwendet. Grund dafür ist unter anderem die massenhafte kommerzielle Fleischproduktion, die auch in Österreich ein relevantes Thema ist: „Mit 63 Kilo pro Jahr und Kopf liegen wir im weltweiten Spitzenfeld. Dabei zählt Fleisch zu den größten Klimakillern“, warnt Helene Glatter-Götz, Expertin für nachhaltige Ernährung beim WWF. „Daher braucht es einen Kurswechsel bei der EU-Agrarförderung, eine Kennzeichnungspflicht aller Fleischprodukte und ein Ende von schädlichen Dauerrabatten auf Billigfleisch. Damit würden wir faire Handelsbedingungen schaffen, heimische Landwirte entlasten und eine klima- und naturverträgliche Produktion fördern.“
Worauf wartet die Politik noch?
Im Kampf gegen die Klimakrise fordert Plattner von der Politik einen ganzheitlichen Ansatz: „Österreich muss sich auf EU-Ebene für eine Klimaneutralität bis 2040 statt 2050 einsetzen und selbiges auch in der Heimat vorantreiben. Das erfordert naturverträgliche Klimaschutzmaßnahmen in allen Sektoren des Energiesystems.“ Auf nationaler Ebene ist dieser Report ein erneuter Weckruf für eine ökologisch und sozial gerechte Steuerreform, die Streichung umweltschädlicher Subventionen, eine umfassende Mobilitätswende und den naturverträglichen Ausbau von Erneuerbaren Energien.
Rückfragehinweis:
Sarah Bimingstorfer
WWF-Pressesprecherin
Mobil: +43 676 834 88 216
E-Mail: sarah.bimingstorfer@wwf.at
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