Bund und Länder sollen Gemeinden beim Umbau stark versiegelter Orte unterstützen – Zusätzliche Mittel für Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt – EU-Renaturierungsgesetz ambitioniert umsetzen
WWF zur Global Change Biology-Studie: Auch Österreichs Flüsse vom großen Sterben betroffen
Wien, am 9. August 2019 (OTS) – Laut der Naturschutzorganisation WWF Österreich müssen die verheerenden Ergebnisse der heute veröffentlichten Studie von „Global Change Biology" zum rapiden Rückgang großer Süßwasserarten als Alarmsignal wahrgenommen werden. Auch in Österreich sind Süßwasserlebensräume besonders vom Artensterben betroffen. So waren einst große Störarten in der Donau bei Wien anzutreffen. Heute schaffen es die Wanderfische aufgrund der Unterbrechung der Donau durch ein Kraftwerk nur noch bis zum Eisernen Tor an der Grenze von Serbien und Rumänien – von den sechs Störarten, die es früher in der Donau gab, gelten fünf als vom Aussterben bedroht. Von den ehemals 31 verschiedenen Fischarten im Inn, kommen heute nur mehr 4 häufiger vor. „Die Politik darf nicht länger dabei zusehen, wie die biologische Vielfalt vor unseren Augen wegstirbt. Unsere Flüsse brauchen deutlich mehr Natur statt weiteren Verbauungen“, sagt WWF-Gewässerexperte Gerhard Egger.
Eine der Hauptursachen der Populationsrückgänge ist die starke Flussverbauung. Im Schnitt unterbricht in Österreich nach jedem Flusskilometer ein Querbauwerk den lebensnotwendigen Raum für Süßwasserarten. Von den rund 5.200 Wasserkraftwerken des Landes haben circa 70 Prozent keine funktionierende Fischaufstiegshilfe. „Angesichts des enormen Verlust des natürlichen Gewässerraums, braucht es einen umfassenden Renaturierungsplan. Modellfälle zeigen, dass sich die Gewässerfauna durch Rückbauten nicht mehr gebrauchter Dämme, Wehren und anderer Uferbefestigungen sehr rasch regenerieren kann“, sagt Gewässerexperte Egger und fordert deutlich mehr Ambition in der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, wonach alle Gewässer bis 2027 in einen guten Zustand gebracht werden müssen.
„In Österreich sind 60 Prozent der Flüsse sanierungsbedürftig. Um das Artensterben in unseren Gewässern aufzuhalten, muss das Gewässerschutzbudget dringend wieder befüllt werden. Der bundesweite Fördertopf für ökologische Sanierungen wurde 2015 von 23 Millionen Euro pro Jahr auf null trockengelegt und seitdem nicht wieder befüllt. Das ist ein echter Skandal“, kritisiert WWF-Experte Egger die Untätigkeit der zuständigen Finanz- und Umweltressorts.
Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan, Pressesprecher WWF, +43 676 834 88 308, E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF und BirdLife fordern „Aktion scharf gegen Giftköder“
Grausame Geier-Vergiftung im Lesachtal muss Konsequenzen haben – Verbotenes Nervengift für 90 Prozent aller nachgewiesenen Wildtier-Vergiftungen verantwortlich – Seit Jahrzehnten verboten, aber bis heute eingesetzt
WWF: Anhaltende Hitzewelle belastet Wildtiere
Hitze und Trockenheit setzen Amphibien, Jungvögeln und Schmetterlingen besonders zu – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und gibt Tipps, um Wildtieren zu helfen
llegaler Tigerhandel: Neuer Report zeigt Schwächen in Südostasiens Justizsystemen
WWF, GuArdean und TRAFFIC analysieren Strafverfolgung in sieben Tiger-Verbreitungsstaaten – Drahtzieher und Geldgeber werden bisher zu selten belangt – WWF fordert verstärkte Kontrollen und internationale Zusammenarbeit
Italienischer Top-Experte kritisiert Tiroler Wolfsabschuss: WWF fordert lückenlose Aufklärung
Zoologe Marco Apollonio bezeichnet Abschuss von Forschungswolf Mirco als „dumm und unnötig“ – WWF verlangt vollständige und transparente Aufklärung durch die Tiroler Landesregierung.
WWF-Erfolg: Mehr Wasser für den Mühlbach
Mehr Wasser, mehr Artenvielfalt: Dank der erfolgreich umgesetzten Maßnahme an der Grenzmur führt der Mühlbach heute mehr als doppelt so viel Wasser wie früher.
Forschungswolf getötet – WWF kritisiert überzogene Abschusspolitik in Tirol
Artenschutzorganisation fordert Kurskorrektur im Wolfsmanagement – Besenderte Wölfe liefern wertvolle Daten für Herdenschutz und Prävention – Italien forscht, Österreich schießt ab
Kampf gegen Plastikmüll: WWF weitert Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus
Plastikkrise im Mittelmeer spitzt sich zu – Bereits vier Tonnen alte Fischereisausrüstung geborgen – Neue Tauchausbildung soll Bergungsmenge bis Jahresende verdoppeln – Ausweitung von Meeresschutzgebieten gefordert
WWF: Portugal investiert groß in Renaturierung, Österreich soll nachziehen
Portugal will 500 Millionen Euro jährlich in Wiederherstellung der Natur investieren – Gemessen an der stärkeren Wirtschaftskraft wären das in Österreich rund 840 Millionen Euro pro Jahr – WWF fordert rasche Vorlage des gesamten Renaturierungsplans von Bund und Ländern













