Umweltschutzorganisation nennt drei Messlatten für die COP31: Fossilausstieg, Entwaldungsstopp und Abbau fossiler Subventionen – WWF fordert Umsetzung auch in Österreich
WWF fischt nach Geisternetzen
Presseaussendung
Wien, 14.07.2016 – Erfolgreicher Start für die Jagd nach Geisternetzen: Ein großes Schleppnetz und Stellnetzreste mit einem Gewicht von etwa 1,5 Tonnen hat der WWF bei ersten Bergungs-Ausfahrten vor Rügen vom Grund der Ostsee geholt. In Zusammenarbeit mit einem Fischer wird erstmals ein speziell konstruierte „Netzharke“ eingesetzt, mit der auf dem Meeresgrund liegende Netze erfasst und an Bord des Fischkutters gehievt werden.
„So lassen sich die Areale, in denen vermehrt mit verlorenen Netzen zu rechnen ist, großflächig absuchen und gefundenes Fischereigerät gleich entfernen. Die Netzharke ist dabei deutlich kleiner und verträglicher als gebräuchliche Grundschleppnetze und wird derzeit in Schleppnetzgebieten getestet “, erläutert Philipp Kanstinger, WWF-Meeresschutzexperte. Grundsätzlich einsetzbar ist die Methode dort, wo nicht mit denkmal-geschützen Schiffswracks oder Munitionsaltlasten zu rechnen ist. Die während der Such-und Bergungsfahrten gewonnenen Daten dienen als Grundlage für eine ostseeweite Karte von Verdachtsflächen für Geisternetze und fließen in eine Studie über die Auswirkung der Harke auf den Meeresboden ein.
Der WWF fordert eine praktische Umsetzung der Meldepflicht aus der EU Fischereikontroll-Verordnung. „Wir müssen es schaffen, dass die Meldung von Netzverlusten nicht zu Angst vor Strafen bei den Fischern führt und dass wir eine verlässliche Grundlage für Netzsuche, Bergung und Vermeidung der Netzverluste bekommen. Dazu brauchen wir die Fischer und auch die Behörden.“ sagt Kanstinger. Darüber hinaus müssen zügig Methoden zum Markieren und Auffinden von Netzen entwickelt und umgesetzt werden.
Das Bergungsprojekt profitiert stark von den Erfahrungen der Fischer. Der am Projekt beteiligte Fischer Karl-Heinz Neumann wird während der fischereifreien Zeit weiter nach Netzen fischen und kann dabei auf langjährige Erfahrung zurückgreifen: „Keinem Fischer geht sein Arbeitsgerät ohne Grund verloren. Aber wenn Hindernisse am Boden einem das Netz zerhacken, meidet man solche Stellen in Zukunft. Wir wissen also, wo wir suchen müssen“, so Neumann.
Im Juli werden die Bergungsfahrten des Projekts vor Usedom fortgesetzt. Allein in der Ostsee gehen jährlich etwa 10.000 Netze oder Netzteile verloren. Etwa ein Zehntel des weltweiten Kunststoffmülls im Ozean besteht aus Geisternetzen. Bis zur vollständigen Zersetzung der Kunststoffe können bis zu 400 Jahre vergehen.
Hintergrund
Die WWF-Aktionen sind Teil eines internationalen Projekts „MareLitt Baltic“ das mit Partnern in Schweden, Polen, Finnland und Estland die Problematik der Geisternetze von Verlust, über Bergung und Möglichkeiten der Wiederverwertung untersucht. Dabei werden wissenschaftlichen Grundlagen gesammelt und Vorlagen für Politik und Wirtschaft erarbeitet, die für den Ostseeraum und andere Meeresgebiete angewendet werden können.
Das Projekt wird auch von der Tönsmeier Gruppe unterstützt – die Recyclingspezialisten entwickeln derzeit Verfahren für eine möglichst nachhaltige Verwertung der geborgenen Netze.
Recyclingmöglichkeiten:
Seit den 60er Jahren werden Fischernetze aus Kunststoffen eingesetzt, meist bestehen sie aus PE (Schleppnetze) oder Nylon (Stellnetze). Für die Wiederverwertung müssen die Netze von Fremd- und Schadstoffen gereinigt und die Kunststoffe sortenrein getrennt werden. Ziel ist es, dass aus PE-Netzresten über Recycling beispielsweise Teppiche und Plastikcontainer entstehen und Nylon-Netze zu Outdoor-Kleidung wiederverarbeitet werden. Derzeit werden entsprechende Möglichkeiten der Weiterverwendung geprüft.
Kontakt & weitere Informationen:
Florian Kozák, Pressesprecher WWF Österreich, Tel.: +43 1 488 17 286
Britta König, Pressestelle WWF Deutschland, Tel.: +49 15 11 88 54 973
Pressefotos und Videomaterial der Bergung inkl. Unterwassermaterial auf Anfrage (WWF Deutschland) gerne erhältlich
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