Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: BürgerInnen entscheiden über Wasserkraftausbau in Graz
Presseaussendung
Wien, Graz am 14. Oktober 2016 – Gestern Abend hat der Magistrat der Stadt Graz bekannt gegeben, dass die Anzahl der Unterschriften für eine Volksbefragung über Bau der Murstaustufe Graz –Puntigam erreicht wurde. Der WWF wertet die große Anzahl der erreichten gültigen Stimmen als großen Erfolg für all jene, denen der Erhalt der freifließenden Mur als Wahrzeichen der Stadt Graz am Herzen liegt. Das von der Energie Steiermark und der Stadt Graz forcierte Projekt muss nun einer verpflichtenden Volksbefragung unterzogen werden. Der Termin dafür soll bereits in der Gemeinderatsitzung am 20. Oktober festgelegt werden. Nun steht auch die Entscheidung der Wien Energie an, in das Kraftwerk zu investieren, nachdem sich Verbund und EVN bereits zurückgezogen haben.
Obwohl bereits 2013 nach einem Berufungsverfahren genehmigt, wurde das Projekt Graz-Puntigam bis heute nicht verwirklicht. „Aus gutem Grund, führt es doch nach einer energiewirtschaftlichen Überprüfung durch Jürgen Neubarth von e3-Consult die Liste der unrentabelsten Wasserkraftprojekte Österreichs an“, so Gebhard Tschavoll, Fließgewässerexperte des WWF. Im März sprang nun auch noch der Hauptinvestor, die Verbund Austria AG, ab. „Augen zu und durch“, schien dennoch die Devise der Grazer Stadtpolitiker zu sein. Alle Bedenken, die von Kritikern des Projekts seit der Genehmigung geäußert wurden, wurden beiseite gewischt und an einem raschen Baustart festgehalten. Dies könnte sich nun durch das eindeutige Votum der Bürgerinnen und Bürger, selbst über die Zukunft der Mur im Stadtgebiet entscheiden zu wollen, ändern.
Weg frei für Alternativprojekt „Mur findet Stadt“
Für den WWF ist das Kraftwerksprojekt kein wünschenswerter Beitrag zur Energiewende: Viel Naturzerstörung zu einem hohen Preis. Stattdessen sollte Graz die einmalige Chance ergreifen, mit dem Projekt „Mur findet Stadt“ eine Grünraumoffensive unter aktiver Einbindung aller Bürgerinnen und Bürger zu starten. Entlang der gesamten Stadtmur sind dabei freiraumgestalterische und ökologische Aufwertungen geplant.
„Die Wien–Energie als möglicher Investor in das Kraftwerksprojekt sollte sehr genau hinschauen; eine Realisierung des Baus könnte ein sehr positives Projekt für die Zukunft von Graz unmöglich machen“, meint Gebhard Tschavoll vom WWF Alpenflüsse Programm. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist die Mur im Bereich zwischen dem Kraftwerk Weinzödl und dem Kraftwerk Gössendorf von unschätzbarem Wert für die Stadt Graz. Diese letzte noch nicht aufgestaute Fließstrecke der Mur beherbergt eine seltene Lebewelt, darunter Österreichs wichtigste Huchenvorkommen und große Bestände der extrem seltenen Würfelnatter. Käme das Kraftwerk, müssten 8.000 ausgewachsene Bäume entlang der Ufer gefällt werden.
Es bleibt zu hoffen, dass die Grazer Bevölkerung Weitsicht an den Tag legt und sich gegen den Bau entscheidet.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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