Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
Bundesländer bei Naturschutz-Plänen säumig – WWF präsentiert eigene Vorschläge
Spätestens Ende Februar hätten die Bundesländer ihre Pläne zur Erreichung der europäischen Naturschutz-Ziele vorlegen sollen – bis heute sind sie säumig. Der WWF Österreich präsentiert daher eigene Vorschläge zum Ausbau und zur Verbesserung der heimischen Schutzgebiete und Schutzgüter: “Wir haben 35 Regionen identifiziert, die sich besonders dafür eignen würden”, erklärt WWF-Experte Josef Schrank. “Darüber hinaus nennen wir zahlreiche Arten und Lebensraumtypen, die dringend mit gezielten Maßnahmen unterstützt werden sollten.” Anlässlich der politischen Naturschutzreferent*innenkonferenz (NARK) in Rust am Mittwoch fordert der WWF ein Ende der Blockadehaltung der Bundesländer und eine Stärkung des heimischen Naturschutzes. “Gerade Österreich hat hier dringenden Handlungsbedarf, da über 80 Prozent unserer FFH-geschützten Arten und Lebensraumtypen in keinem günstigen Erhaltungszustand sind”, warnt Josef Schrank.
Bundesländer in der Pflicht
Die biologische Vielfalt in der EU verschlechtert sich seit Jahren – in Österreich sogar besonders dramatisch. Daher sieht die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 vor, dass alle Mitgliedstaaten gemeinsam 30 Prozent der Landfläche durch Schutzgebiete wirksam schützen – ein Drittel davon streng. Außerdem sollen durch gezielte Maßnahmen bis 2030 mindestens 30 Prozent der EU-geschützten Lebensraumtypen und Arten in einen günstigen Erhaltungszustand gebracht werden oder zumindest einen positiven Trend zeigen. In Österreich wird dieser Prozess bisher ignoriert – ebenso wie die von der EU geforderte Beteiligung nationaler Interessengruppen. “Die Bundesländer arbeiten trotz Aufforderungen durch Wissenschaft und Zivilgesellschaft nicht am EU-Plan zur Rettung der Biodiversität mit”, kritisiert WWF-Experte Josef Schrank. “Dass hier seit Jahren nichts getan wird und die aktuelle Tagung der zuständigen Politiker*innen dieses Thema scheinbar nicht einmal auf der Tagesordnung hat, zeigt erneut, dass die Verantwortlichen die Sicherung unserer Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen und die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene nicht ausreichend ernst nehmen.” Dabei würde Österreich durch die Weiterentwicklung des Naturschutzes stark profitieren. “Eine intakte Natur ist nicht nur unsere wichtigste Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise, sondern versorgt uns mit unseren Lebensgrundlagen – von sauberer Luft bis hin zu sauberem Wasser.”
Große Chance für den heimischen Naturschutz
Die 35 vorgeschlagenen Regionen wurden aufgrund ihrer Naturnähe und den darin vorkommenden Arten und Lebensraumtypen beziehungsweise aufgrund ihres Wiederherstellungs-Potentials ausgewählt. Sie umfassen alle Bundesländer mit Ausnahme Wiens und knapp 5,6 Prozent der Staatsfläche. “Die Ausweisung und Verbesserung der Gebiete wäre ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zur Erreichung des EU-Ziels”, sagt Josef Schrank. “Der Großteil der Vorschläge bezieht sich auf Potentialgebiete für strengen Schutz, da Österreich mit derzeit unter drei Prozent streng geschützter Staatsfläche einen hohen Nachholbedarf hat.” Zu besonders bedeutenden Naturgebieten zählen aus Sicht des WWF zum Beispiel die Ötztaler Alpen in Tirol, die March-Thaya-Auen in Niederösterreich, der Hansag im Burgenland oder das Tote Gebirge in Oberösterreich und der Steiermark. In vielen der vorgeschlagenen Regionen bestehen bereits Schutzgebiete mit unterschiedlichen Schutzzielen und -regelungen. Eine Aufwertung dieser Schutzgebiete und ihres Managements könnte ihre Wirksamkeit für den Naturschutz verbessern und gleichzeitig wichtige Ökosystemleistungen sichern. “Auch die bestehenden Nationalparks besitzen enormes Verbesserungspotenzial”, erklärt Schrank. “So haben die Nationalparks Donau-Auen, Thayatal und Kalkalpen die bei ihrer Errichtung verbindlich festgelegten Zielgrößen bis heute nicht erreicht. Das Tote Gebirge in Oberösterreich ist in weiten Teilen ohne jeglichen Schutzstatus, obwohl hier seit 25 Jahren eine Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen gesetzlich festgeschrieben ist.”
Neben dem Ausbau der Schutzgebiete schlägt der WWF insgesamt 30 Lebensraumtypen und 21 Arten vor, für deren Verbesserung landesweit gezielte Maßnahmen zu setzen sind, wie etwa für die Salzlacken im Osten Österreichs oder für den Europäischen Biber und den Luchs. “In Österreich gibt es nur noch wenig intakte Natur. Deshalb müssen wir die bestehenden Gebiete besser schützen und weiterentwickeln. Mit unseren Vorschlägen zeigen wir, wie das möglich wäre und wie sofort damit begonnen werden kann”, so der WWF-Experte.
Die Verbesserungsvorschläge hatte der WWF bereits im Dezember 2022 an die Landesregierungen geschickt. “Leider hat kein einziges Bundesland auf unsere Anregungen reagiert”, kritisiert Schrank. “Deshalb bieten wir unsere Vorschläge erneut als erste Diskussionsgrundlage für den weiteren EU-Prozess an. Die Bundesländer müssen sich der Verantwortung stellen und mit allen Stakeholdern sowie mit den Mitgliedstaaten in Dialog treten. Dieser Schritt kann auf der NARK beschlossen werden”, so Josef Schrank.
Ein Factsheet zu den vorgeschlagenen Regionen, Arten und Lebensraumtypen inklusive Schutzgebiets-Karte sowie weiterführende Informationen zur Biodiversität in Österreich finden Sie hier.
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