EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
Eine starke Lobby für Europas Natur: 25 Jahre LIFE – Programm
Im Vorfeld des internationalen Tages der biologischen Vielfalt, der alljährlich am 22. Mai begangen wird, bricht der WWF eine Lanze für die wichtigste finanzielle Säule des Naturschutzes in Europa: das EU-Förderprogramm LIFE. Im Mai 1992 ins Leben gerufen, wurden in den letzten 25 Jahren mehr als drei Milliarden Euro aus LIFE-Mitteln in über 4.000 Projekte investiert, die die Vielfalt natürlicher Lebensräume und gefährdeter Arten für künftige Generationen bewahren sollen. LIFE-Projekte haben sich auch als wichtiger Impulsgeber für die Regionalwirtschaft bewährt, da lokale Unternehmen in die Umsetzung von Schutzmaßnahmen eingebunden sind. Derzeit werden in Österreich etwa 20 LIFE-Projekte durchgeführt.
„Bemerkenswert ist, dass LIFE-Projekte die Kooperation mehrerer Partner ermöglicht, die – oft über Landesgrenzen hinweg – für die Natur an einem Strang ziehen“, unterstreicht Beate Striebel, Naturschutzleiterin beim WWF Österreich. So kämpfen der WWF und BirdLife mit neun weiteren Organisationen aus fünf europäischen Staaten im LIFE-Projekt PannonEagle gegen die illegale Verfolgung des Kaiseradlers. „Leider werden europaweit in vielen Ländern die streng geschützten Greifvögel illegal vergiftet und abgeschossen. Daher ist es besonders wichtig, gemeinsam für den Schutz der Kaiseradler aktiv zu werden“, so Striebel. In Österreich brütet der mächtige Adler in Niederösterreich und dem Burgenland.
Auch die Revitalisierung von besonders artenreichen Fluss- und Auenlandschaften steht im Fokus des EU-Naturschutzes. Im LIFE-Projekt Renaturierung Untere March-Auen in Niederösterreich führen die viadonau und der NÖ Landesfischereiverband gemeinsam mit dem WWF seit 2011 Renaturierungsmaßnahmen in der Au durch. Striebel kündigt an: „Im heurigen August werden dann auch Bagger auffahren und fast sieben Kilometer Nebenarme und Augewässer wieder an die March anbinden. Dadurch werden auch Auwiesen- und Wälder wieder besser mit Wasser versorgt. Fische, Wasservögel und Amphibien profieren dann von den neu geschaffenen Lebensräumen.“
In der Unteren Donau und im Schwarzen Meer leben die letzten größeren Bestände der Störe, der am stärksten bedrohten Artengruppe der Welt. Ursprünglich waren sie in der ganzen Donau bis nach Österreich und Deutschland verbreitet. „Da es in der gesamten EU hier die letzten lebensfähigen Vorkommen gibt, geht uns die Rettung der Donaustöre alle an“, unterstreicht Striebel. Seit Oktober 2016 setzt sich ein WWF-Team in sechs Ländern im Projekt LIFE for Danube Sturgeons für die letzten freilebenden Urfische und gegen die Kaviarmafia ein und arbeitet dazu eng mit Fischern und Behörden in der Region zusammen.
Grenzübergreifenden Austausch gibt es auch bei einem vom WWF Österreich initiierten Flussrevitalisierungsprojekt, das die Drau in Kroatien wieder lebendiger machen soll. 22 Wasserkraftwerke im Oberlauf der Drau ließen ihre Auen austrocknen. Die steirische Grenzmur bildet das Tor zu diesem freifließenden Flussparadies, das sich über fünf Länder erstreckt und als „Amazonas Europas“ bekannt ist. Im DRAVA LIFE-Projekt werden entlang von 310 Flusskilometern sieben Seitenarme wieder angebunden und Ufer rückgebaut – zum Wohle von Zwergseeschwalbe, Uferschwalbe & Co.
Österreich hat die EU-Förderschiene besonders gut ausgenutzt. Zwischen dem EU-Beitritt 1996 und dem Jahr 2016, wurden allein mit Hilfe von LIFE-Natur 53 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 180 Millionen Euro verwirklicht. „Viele wichtige Vorhaben wie die Wiederansiedlung des Bartgeiers, der Schutz des Tiroler Lech, die Revitalisierung der Oberen Drau und Mur oder die Einrichtung des Wildnisgebiets Dürrenstein wären ohne LIFE- Finanzierung nicht umsetzbar gewesen“, erinnert Striebel vom WWF. Die EU-Förderung machte dabei rund 85 Millionen Euro aus, die Ko-Finanzierung übernahm meist das Ministerium für ein Lebenswertes Österreich; der Rest wurde von Projektpartnern wie dem WWF getragen.
„Angesichts des weltweit voranschreitenden Artenverlustes wächst auch Europas Verantwortung, das Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig abzusichern“, sieht Beate Striebel LIFE als wichtiges Zukunftsmodell für den Erhalt unseres Naturerbes.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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