Online-Voting über neun Flüsse aus allen Bundesländern bis 1. September – Fachleute wählten Kandidaten nach Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf aus
Fischotter nicht für Fischsterben verantwortlich
Der ökologische Zustand von Österreichs Gewässern und der dort lebenden Arten ist besorgniserregend. Gerne wird der Fischotter zum Sündenbock für den Rückgang von Fischbeständen und anderen seltenen Tieren in Österreichs Gewässern gemacht. Das dem eindeutig nicht so ist, zeigt ein neuer WWF Report.
Nicht immer wird eine auf Fakten basierende Diskussion geführt. Ziel des neuen Reports war es daher, den wahren Ursachen für das Artensterben in Österreichs Gewässern auf den Grund zu gehen. Zu diesem Zweck wurden über 500 Datensätze offizieller Berichte der Bundesländer an die Europäische Kommission ausgewertet und 62 Arten aus fünf Artengruppen (Fische, Amphibien, Flusskrebse, Libellen und Weichtiere) untersucht. Das sind die zentralen Ergebnisse:
1. Das Artensterben ist menschengemacht
Die Untersuchung der Datensätze zeigt ganz eindeutig: Die aktuelle Situation ist menschengemacht. Mehr als 60 Prozent der heimischen Flüsse sind laut dem Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan in einem mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand. Die Hauptursache ist die Lebensraumzerstörung durch den Menschen. Flussbegradigungen, Uferverbauungen, Wasserkraft- und Querbauwerke sowie Transport- und Verkehrsinfrastruktur machen den Tieren das Leben besonders schwer. Auch die Verschmutzung z. B. durch landwirtschaftlichen Pestizideinsatz ist ein wesentlicher Belastungsfaktor.
2. Der Fischotter ist nicht schuld
Über 90 Prozent der 62 bewerten Arten weisen keinen günstigen Erhaltungszustand auf. Der Rückgang von Fischen, Fröschen, Krebsen, Muscheln oder Libellen in heimischen Gewässern liegt an der Zerstörung und Verschmutzung ihres Lebensraumes. Die Daten zeigen klar: Bis auf einen Einzelfall spielen natürliche Fressfeinde wie der Fischotter für den bisher beobachteten Artenrückgang keine wesentliche Rolle. Auch wenn der Fischotter gerne zum Sündenbock für den Rückgang von Fischpopulationen gemacht wird.
Wir schaden uns selbst
Der schlechte Gewässerzustand dezimiert nicht nur die Tierbestände, sondern schadet letztlich auch dem Menschen. Der drastische Schwund naturnaher Lebensräume und Artbestände zerstört das Gleichgewicht in Flüssen und Seen. Das gefährdet wichtige Ökosystemleistungen wie Hochwasserschutz, Wasserreinigung oder Fischerei.

Links der Lech, einer der letzten Wildflüsse Österreichs, rechts der Inn bei Jenbach, ein begradigter Kanal.
Was können wir tun, um Österreichs Gewässer zu retten?
Für den WWF ist klar: Die letzten intakten Gewässerabschnitte müssen vor weiterer Beeinträchtigung bewahrt und die Renaturierung von Flüssen und Seen entschlossener als bisher angepackt werden. Jetzt ist die Politik am Zug. Seit Jahren hängen hunderte konkrete Sanierungsprojekte von Gemeinden, Verbänden und Wassernutzern in der Warteschleife, weil die Umweltfördermittel des Bundes gestrichen wurden. Die nächste Bundesregierung muss hier eine Kehrtwende einleiten und gewässer- und artenschädigende Subventionen streichen – etwa im Bereich der Ökostrom-, land- und forstwissenschaftlichen Förderungen.
Alle Ergebnisse im Detail können Sie im Report „Warum Tieren das Wasser bis zum Hals steht – Status und Belastungsfaktoren ausgewählter Tierarten in Österreich“ nachlesen. Den Bericht können Sie hier herunterladen: Warum Tieren das Wasser bis zum Hals steht.
Der Fischotter – zum Sündenbock abgestempelt
Niederösterreich und Kärnten machen den Fischotter entgegen aller Fakten zum Alleinschuldigen für das Fischsterben und geben ihn zum Abschuss frei. Niederösterreich plant den Abschuss von bis zu 180 Fischottern in den nächsten drei Jahren. In Kärnten sind Tötungen bereits traurige Realität. 43 Tiere werden pro Jahr umgebracht. Sogar Totschlagfallen werden verwendet. Das muss aufhören!
Unterzeichnen Sie unsere Petition: Nein zur Tötung von Fischottern!
Downloads
Warum Tieren das Wasser bis zum Hals steht (pdf, 1,3 MB)
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Neue Zahlen: Möglicher Stromverbrauch entspricht fast einem Drittel des Stromverbrauchs von ganz Oberösterreich – Gesamter Ausbau muss Umweltprüfung durchlaufen – Stromhunger darf nicht auf Natur abgewälzt werden
Huchensterben in der Ybbs: WWF warnt vor tödlichen Wanderhindernissen
Fotos zeigen stark gefährdete Fische vor Kraftwerksbarrieren – WWF fordert funktionsfähige Fischaufstiege und durchgängige Flüsse als Schutz vor zunehmender Hitze
WWF-Erfolg: Tiwag muss Gefahrenanalysen herausgeben
Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gibt dem WWF recht: Die Tiwag muss wichtige Dokumente rund um den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal herausgeben. Dazu zählen auch Flutwellenberechnungen und Gefahrenszenarien.
WWF-Untersuchung: Wildfluss-Heuschrecken am Tiroler Inn verschwunden
Drei stark gefährdete Arten nur noch am Zubringer Ötztaler Ache nachweisbar – Flussverbauungen und Wasserableitungen setzen letzte Lebensräume unter Druck – WWF fordert großflächige Renaturierungen
WWF: Gericht verpflichtet Tiwag zur Herausgabe von Gefahrenanalysen
Landesverwaltungsgericht gibt WWF recht: Landesenergiekonzern muss Untersuchungen zu klimabedingten Naturgefahren, Flutwellenberechnungen, Alarmpläne und Gefahrenszenarien zum Gepatsch-Speicher herausgeben
Google-Rechenzentrum ohne UVP: WWF fordert rasche Gesetzesreform
Rechenzentren als eigenen Tatbestand im UVP-Gesetz verankern – Umweltorganisation verlangt Gesamtprüfung und strenge Umweltauflagen für Google-Ausbau in Kronstorf
Good News: Mehr Luchse in den Südostalpen
Im Dreiländereck Italien-Slowenien-Österreich beobachten wir einen Anstieg der Luchspopulation. Eine schöne Bestätigung für den grenzüberschreitenden Artenschutz!
WWF-Studie: Massiv gefährdete Donaustöre beinahe täglich Opfer von Wildtierkriminalität
In zehn Jahren über 3.300 Störe in der Unteren Donau illegal getötet – WWF warnt vor Kollaps dieser wichtigen Vorkommen in Europa und fordert konsequentere Strafverfolgung













