Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Giftschlamm in Ungarn: WWF befürchtet schlimmere Umweltauswirkungen als nach Baia Mare-Katastrophe
Wien/Kolontar, 7. Oktober 2010 – Seit Mittwoch Früh befinden sich Mitarbeiter des WWF Ungarn im Katastrophengebiet. Die Experten rund um Gábor Figeczky, stv. Geschäftsführer des WWF Ungarn, machen sich derzeit in Kolontar, einem der sechs betroffenen Dörfer, ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe. „Vorerst ist es unmöglich, das genaue Ausmaß der Naturschäden abzuschätzen“, so Figeczky. „Wir sind aber sicher, dass sich der rote Schlamm bis in nahe gelegene Natura 2000-Europaschutzgebiete ergießen wird. Die Naturschäden werden demnach auch von internationaler Bedeutung sein.
„Der Schauplatz erinnert auf gespenstische Art und Weise an die Bergbau-Katastrophe von Baia Mare im Jahr 2000“, so Figeczky vom WWF. Damals trat das kontaminierte Wasser aus dem Sammelbecken der Gold-Aufbereitungsanlage im Rumänischen Baia Mare aus. Der mit Schwermetallen versetzte Cyanid-Schlamm gelangte über in die Theiß in die Donau.
Cyanid und Schwermetalle haben unterschiedliche Wirkungen. Cyanid vernichtet alle Lebewesen, mit denen es in Kontakt gerät, sofort, und zieht anschließend zusammen mit der Flut weiter. Die Schwermetalle hingegen werden vom Boden und von den Pflanzen aufgenommen, weshalb ihre Wirkung längere Zeit nachweisbar bleibt. Die Auswirkungen sind jedoch nicht weniger schwerwiegend als jene von Cyanid. „Schwermetalle können noch jahrzehntelang im Boden bleiben, und auf Menschen und Tiere so schwerwiegende Folgen wie Wachstums- und Fortpflanzungsstörungen haben“, erklärt Figeczky.
Daher ist auch der Schwermetallgehalt der jetzigen Verschmutzungskatastrophe eine Schlüsselfrage. Im Jahr 2000 starben bei der Katastrophe an der Theiß alle Wasserlebewesen außer den Wirbellosen lokal vollkommen aus. Fischotter und Vögel konnten sich damals noch rechtzeitig vor den Fluten in Sicherheit bringen.

„Der Großteil der von der Katastrophe betroffenen Wasserlebewesen wird die Verschmutzung voraussichtlich nicht überleben“, befürchtet Figeczky. „Das zeigt auch das Sterben des Fischbestandes des Marcal-Flusses, der ökologisch tot ist“. Zwar werden ähnlich wie bei der Cyanid-Katastrophe vor zehn Jahren, die einzelnen Arten später zurückkehren, bzw. die verbleibende Population wird das Gebiet wieder bevölkern können. Allerdings können auch die Fachleute derzeit noch nicht abschätzen, wie viel Zeit das in Anspruch nehmen wird. Derzeit wird an mehreren Stellen Gips in den Marcal-Fluss eingebracht. „Nach Meinung einiger Fachleute ist die Wirkung dieser Maßnahme allerdings zu hinterfragen“, so Figeczky.
Auch die Substanz, die die Lauge neutralisieren soll (Anm.: wird nicht namentlich genannt), kann für Pflanzen und Tiere giftig sein. „Einige Arten sind sofort nach dem Kontakt mit der Substanz verendet. Bei anderen muss mit Vergiftungen und der Anhäufung von Schwermetallen gerechnet werden“, erklärt Figeczky.
Laufend werden Haustiere eingesammelt. „Die rot gefärbten Tiere haben opal-artige Augen. Sie werden in Schubkarren transportiert, weil sie sich aufgrund ihrer Verletzungen nicht mehr selbst fortbewegen können. Die Situation der Nutztiere ist nicht besser. „Die Schäden in der wildlebenden Fauna können wir derzeit jedoch noch nicht einmal schätzen“, so Figeczky.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, WWF-Pressesprecher, Tel. 01-48817-231
Email: franko.petri@wwf.at.
Für den WWF in Ungarn: Gabor Figeczky, WWF Ungarn, Tel. +36-306785398.
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