Fotobelege aus Wasserkraft-Restwasserstrecken – WWF fordert akute Wasserabgabe, Schutzprogramm und rasche Renaturierung der letzten Huchenflüsse
Mehr als 22.700 Hasen wurden im Vorjahr Opfer des Straßenverkehrs
Presseaussendung
Wien, 22. März 2016 – Im Vorjahr verunglückten mehr als 22.700 Feldhasen auf Österreichs Straßen tödlich – um rund 17 Prozent mehr als im Jahr 2014, machen VCÖ und WWF aufmerksam. Der ungebremste Ausbau der Infrastruktur und die damit einhergehenden Folgen setzen unseren beiden heimischen Hasenarten, dem Feldhasen und dem Schneehasen, stark zu. WWF und VCÖ fordern daher einen Stopp des weiteren Straßenausbaus bei gleichzeitiger konsequenter Umsetzung der europäischen Naturschutzrichtlinien.
Die Feldhasen sind im Frühjahr besonders aktiv. Es ist Paarungszeit. Der Aktionsraum eines Feldhasen ist rund 20 Quadratkilometer groß. "Im Schnitt durchschneiden aber 60 Kilometer Straßen den Lebensraum eines Hasen. Das Risiko, unter die Räder zu kommen ist groß und wird mit jeder zusätzlichen Straße größer", stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Im Vorjahr wurden laut offiziellen Daten der Jagdstatistik 22.741 Hasen und Wildkaninchen von Lkw und Pkw "erlegt", um rund 3.200 mehr als im Jahr 2014. Erfasst werden von der Statistik nur die bei der Bezirkshauptmannschaft eingegangenen Meldungen. Die Dunkelziffer ist weit höher.
"Die hohe Sterblichkeit auf den Straßen verschärft das Problem für die Feldhasenbestände, die ohnedies schon unter der Ausräumung der Landschaft und unter der Intensivlandwirtschaft leiden", erklärt Bernhard Kohler, Leiter des Österreichprogramms im WWF. Feldhasen bevorzugen eigentlich abwechslungsreiche Landschaften aus Wiesen, Weideflächen, Gebüschen und lockeren Baumgruppen. Heutzutage müssen sie sich aber oft mit eintönigen und ausgeräumten Agrarwüsten begnügen. Die Zerschneidung der heimischen Landschaft durch das 135.000 Kilometer lange österreichische Straßennetz verschlechtert die Qualität des Feldhasen-Lebensraums weiter, machen WWF und VCÖ aufmerksam.
In Österreich sind Feldhasen vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich, im Burgenland und in der Steiermark heimisch. Die meisten Hasen verunglücken auf Niederösterreichs Straßen, allein im Vorjahr verloren hier mehr als 11.000 Hasen durch den Straßenverkehr ihr Leben. In Oberösterreich wurden rund 4.500 Hasen tödlich überfahren, im Burgenland fast 3.000 und in der Steiermark mehr als 2.700. Seit dem Jahr 2005 kamen in ganz Österreich bereits mehr als 330.000 Feldhasen durch den Straßenverkehr ums Leben, berichten VCÖ und WWF.
Österreich sei mit Straßen bereits reich ausgestattet, unterstreichen VCÖ und WWF. Ein weiterer Ausbau zerstöre nicht nur für immer den Lebensraum von Fauna und Flora, sondern stehe auch im krassen Widerspruch zu den Klimazielen. "Statt mehr Straßen braucht es ein größeres Angebot an umweltfreundlicher Mobilität", stellen VCÖ und WWF fest.
Nicht nur die Lebensräume des Feldhasen, sondern auch unsere Gebirgsökosysteme und damit der Lebensraum des Schneehasen stehen unter enormem Erschließungsdruck. Vor allem die immer rücksichtslosere Inanspruchnahme der Wildtierlebensräume durch den Wintersport ist ein großes Problem. "Wie eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien gezeigt hat, reagieren Schneehasen, die im Winter ihren Stoffwechsel drosseln und auf Sparflamme leben, sehr anfällig auf Stress durch Wintersportler. Wenn sie gestört werden, steigt ihr Energiebedarf und das vorhandene kärgliche Futter reicht nicht aus", erklärt Kohler. Eine höhere Todesrate der Hasen in harten Gebirgswintern beeinträchtigt wiederum den Fortpflanzungserfolg des Frühjahres. "Statt energieaufwendiger Wintersportanlagen braucht es angepasste und naturverträgliche Formen des Wintertourismus", betont Kohler abschließend.
Rückfragen:
VCÖ-Kommunikation, Mag. Christian Gratzer (01) 8932697, (0699) 18932695
WWF-Pressesprecherin Claudia Mohl, Tel. (01) 48817250, (0676) 83 488 203
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Analyse stellt Tiroler Abschuss von Forschungswolf infrage
Auswertung der Standortdaten zeigt unauffällig wandernden Wolf abseits von Ortschaften – Forschungsleiter kritisiert Vorgehen der Behörden – WWF fordert volle Aufklärung durch Landesregierung
WWF kritisiert Niederösterreichs Angriff auf Renaturierung scharf
Naturschutzorganisation: Blockade-Drohung ist fahrlässig und verantwortungslos – Wiederherstellung der Natur schützt Gemeinden vor Hitze, Hochwasser und Folgekosten
WWF: Wolfsabschüsse erreichen bereits zur Jahresmitte neuen Höchststand
Mindestens 23 Abschüsse allein im ersten Halbjahr 2026 – Von Jänner bis Juni schon mehr behördliche Tötungen als im gesamten Vorjahr – WWF kritisiert aggressives Vorgehen gegen geschützte Art
March erstmals über 30 Grad: WWF warnt vor Hitzestress für Fische
Neuer Höchstwert von 30,3 Grad bei Hohenau – Bisheriger Rekord aus 2018 deutlich überschritten – WWF fordert Ausweitung von Renaturierungsprojekten
WWF-Kritik an Linzer “Österreich-Deklaration”: Stillstand beim Bodenschutz wird zementiert
Zitierte ÖROK-Zahlen zeigen massive Zielverfehlung von Bund und Ländern
Hitze – WWF fordert Sonderbudget für Entsiegelung und Renaturierung
Bund und Länder sollen Gemeinden beim Umbau stark versiegelter Orte unterstützen – Zusätzliche Mittel für Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt – EU-Renaturierungsgesetz ambitioniert umsetzen
WWF und BirdLife fordern „Aktion scharf gegen Giftköder“
Grausame Geier-Vergiftung im Lesachtal muss Konsequenzen haben – Verbotenes Nervengift für 90 Prozent aller nachgewiesenen Wildtier-Vergiftungen verantwortlich – Seit Jahrzehnten verboten, aber bis heute eingesetzt
WWF: Anhaltende Hitzewelle belastet Wildtiere
Hitze und Trockenheit setzen Amphibien, Jungvögeln und Schmetterlingen besonders zu – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und gibt Tipps, um Wildtieren zu helfen













