Spektakuläre Aufnahmen zeigen Leopardensprung über Grenzzaun – Hoffnung für eine bedrohte Art – WWF Österreich setzt sich zum Arterhalt im Kaukasus ein – Internationaler Tag des Leoparden am 3. Mai
Morgen beginnt der Öko-Pump für 2010
WIEN, OAKLAND, USA, 20.8.2010 – Die Menschheit hat heuer in weniger als neun Monaten ihr gesamtes Jahresbudget der globalen Umweltressourcen für 2010 aufgebraucht. Morgen am 21. August ist der so genannte „Overshoot Day“. Diese alarmierende Warnung ergibt sich aus den neuesten Berechnungen des Global Footprint Network, an dem auch der WWF und die Plattform Footprint aktiv beteiligt sind.
Global Footprint Network, eine Umweltforschungsorganisation mit Sitz in Kalifornien, berechnet jährlich das auf der Erde verfügbare „Natur-Einkommen“ (die natürlichen Ressourcen, die sich in einem Jahr wieder erneuern können, auch “Biokapazität” genannt), und vergleicht es mit den „Ausgaben“ (die für unseren Lebensstil, für die Produktion der Güter und für den Ausgleich der CO2-Emissionen erforderlichen Natur-Ressourcen – auch “ökologischer Fußabdruck” genannt) der Menschheit.
Die aktuellen Analysen ergeben, dass heuer bereits am 21. August 2010 die Menschheit alles verbraucht hat, was die Natur für das ganze Jahr an Biokapazität bereitstellen kann. Ab diesem Tag wird die Menschheit bis zum Jahresende über die Verhältnisse leben – sozusagen auf Pump. “Wer in neun Monaten sein gesamtes Jahreseinkommen verbraucht, hätte allen Grund zur Sorge”, sagt Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Network-Netzwerks.
„Über 60 Milliarden Tonnen Rohstoffe aus der Natur werden weltweit pro Jahr verbraucht. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch vor 30 Jahren. Die Auswirkungen bekommen wir schon jetzt zu spüren: Klimawandel, Ölkatastrophen, zerstörte Ökosysteme, schrumpfende Wasserreserven und Wälder, aussterbende Arten. So dürfen wir nicht mit den Lebensgrundlagen kommender Generationen umgehen und die bittere Rechnung unseren Kindern überlassen“, sagt Simonne Baur, GLOBAL 2000-Sprecherin.
Der große zeitliche Sprung beim „Earth Overshoot Day“ (im letzten Jahr war es der 25. September 2009) ergibt sich aus methodischen Verbesserungen bei den Berechnungen, die eine präzisere Festlegung des Overshoot ermöglicht haben. Mit diesen genaueren Daten wäre der Overshoot Day 2009 auf den 25. August gefallen. Das um vier Tage längere Defizit ist eine “normale” Entwicklung, da wir jedes Jahr mehr auf „Öko-Pump“ leben. Übrigens, würde die ganze Menschheit so verschwenderisch wie die ÖsterreicherInnen leben, wäre die Erde heuer bereits seit 13. Mai im ökologischen Defizit.
"Wenn der weltweite Konjunkturmotor wieder auf Hochtouren läuft, dann wird sich der Zerstörungsprozess weiter beschleunigen. Wir brauchen ein neues Konsumbewusstsein sonst ist unser globales Naturkapital bald erschöpft ", warnt WWF-Naturschutzdirektor Andreas Wurzer.
"Der Overshoot Day zeigt einmal mehr, dass konjunkturpolitische Appelle zum Einkaufen und Konsumieren in die ökologische Sackgasse führen. Stattdessen müssen Anreize für ein umweltschonendes Konsumverhalten geboten werden. So sollten beispielsweise regionale Obst- und Gemüseprodukte aus biologischer Landwirtschaft stärker gefördert werden als tierische Lebensmittel mit riesigem Fußabdruck“, fordert Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin bei Greenpeace.
Die globale Übernutzung ist dabei nicht nur ein ökologisches Problem: Sie verschärft auch viele der bestehenden Ungerechtigkeiten. Ressourcenkonflikte, Kriege, Hunger oder Überschwemmungen wie die aktuelle Katastrophe in Pakistan treffen gerade jene am härtesten, die am wenigsten zur Übernutzung beigetragen haben, und die sich nicht „freikaufen“ können.
Wolfgang Pekny, Geschäftsführer der Plattform Footprint, bleibt trotzdem optimistisch: “Zum einen sind die Technologien, mit denen wir den Overshoot reduzieren könnten, bereits verfügbar und zum anderen werden viele der wirkungsvollen Veränderungen unsere Lebensqualität sogar erhöhen. So wird eine allgemeine Entschleunigung – weniger produzieren und weniger konsumieren – mehr wertvolle Zeit zum „Guten Leben“ für alle bringen.” Was noch fehlt, sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Verwirklichung der Vision. Diese One-Planet Gesellschaft zu schaffen ist das zentrale Ziel aller Mitglieder der Plattform Footprint.
Um Ihren persönlichen Ökologischen Fußabdruck zu berechnen und Verbesserungsmöglichkeiten zu analysieren, nutzen Sie bitte www.mein-fussabdruck.at. Mehr Hintergrundinformation auf www.footprint.at/overshoot2010.html
Für Rückfragen:
Franko Petri, WWF, Tel. 01/48817231, franko.petri@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF fordert „Schwammwald-Paket“ gegen zunehmende Trockenheit
Wasserspeicher-Funktion der heimischen Wälder stark belastet – Folgen der Klimakrise machen sich immer stärker bemerkbar
Neuer Bericht: Waldzerstörung trotz Rückgang auf alarmierendem Niveau
2030-Ziel außer Reichweite – WWF fordert Waldschutzpaket und entwaldungsfreie Lieferketten
WWF: Bodenverbrauch in Österreich 2025 gestiegen
7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF-Erfolg: Durchbruch bei Renaturierung an der Mur
Der WWF hat drei große Renaturierungsmaßnahmen in Slowenien erfolgreich abgeschlossen – mit spürbaren Effekten bis nach Österreich. Davon profitieren zahlreiche Arten wie Eisvögel und Uferschwalben.
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima













