Artenschutzorganisation fordert Kurskorrektur im Wolfsmanagement – Besenderte Wölfe liefern wertvolle Daten für Herdenschutz und Prävention – Italien forscht, Österreich schießt ab
Nashörner im Fadenkreuz
WWF Presseaussendung
Kapstadt, Südafrika, 21.01.2016. Die Nashornwilderei in Südafrika hat im vergangenen Jahr erstmals abgenommen, aber die Situation ist weiterhin dramatisch. Stiegen die Zahlen seit 2007 exponentiell an, so gelang es im vergangenen Jahr diese Entwicklung anzuhalten – allerdings auf immer noch bedrohlich hohem Niveau. Wurden 2014 noch 1215 Breit- und Spitzmaulnashörner gewildert, so waren es im Jahr 2015 weiterhin 1175 Tiere.
Zum Schock der Umweltschützer hatte ein südafrikanisches Gericht jedoch am Tag zuvor das Handelsverbot von Nashorn in Südafrika gekippt. Die Hornteile dürfen nun legal im Land verkauft werden, international gilt weiterhin das Handelsverbot von CITES, dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. „Da es in Südafrika selbst keine Nachfrage nach den Hörnern der Tiere gibt, ist es wahrscheinlich, dass die Hörner von den Käufern illegal ins Ausland weiterverkauft werden. Diese Entscheidung könnte ein herber Rückschlag für die gerade sichtbaren ersten Artenschutzerfolge sein, weil sie die Strafverfolgung erschwert und falsche Zeichen setzt. Gerade schien es, als ob Südafrikas Ranger den Wilderern endlich etwas entgegensetzen konnten, doch dieser Erfolg ist nun bedroht“, sagt Dr. Arnulf Köhncke, Artenschutz-Experte des WWF Deutschland.
Im berühmten Krüger Nationalpark, einem Brennpunkt der Nashornwilderei, wurden 826 Tiere getötet. Das ist ein Tier weniger als im Vorjahr. Der Park ist für Wilderer besonders attraktiv: Sie kommen über die offene Grenze aus dem armen Nachbarland Mosambik, wo die Tiere bereits ausgestorben sind. Um die Nashörner zu schützen, wurden im vergangenen Jahr über hundert Tiere in als weniger gefährlich geltende Regionen übersiedelt. Zusätzlich wurde für sie eine Sonderschutzzone eingerichtet, die etwa ein Viertel des Parks ausmacht und besonders stark überwacht wird.
Traurigerweise hat die hohe Nachfrage nach Nashorn in Ländern wie Vietnam dafür gesorgt, dass die Wilderer ihren Aktionsradius in angrenzende Länder vergrößert haben. So wurden in Namibia im vergangenen Jahr 80 Tiere gewildert. Das sind mehr als dreimal so viele wie noch in 2014, als 25 Tiere gewildert wurden und sogar 20 Mal so viele wie 2013 mit vier Tieren. In Zimbabwe wurden im vergangenen Jahr mindestens 50 Nashörner gewildert, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Zwar ist die Anzahl der in Namibia und Zimbabwe getöteten Tiere viel niedriger als in Südafrika, allerdings leben in diesen Ländern auch insgesamt viel weniger Nashörner. Außerdem war die Mehrheit der dort getöteten Tiere Spitzmaulnashörner, die laut Roter Liste vom Aussterben bedroht sind.
Der WWF fordert, der Wildtierkriminalität auf allen Ebenen entgegenzutreten – von der Wilderei in der Savanne über den Schmuggel im Schiffscontainer bis zum Verkauf im Laden in Asien. Es brauche eine koordinierte internationale Zusammenarbeit der Polizei und anderer Strafverfolgungsstellen, um die organisierte Kriminalität der Nashornschmuggler wirkungsvoll zu bekämpfen. Wichtige Transit- und Konsumentenländer wie Mozambik und Vietnam müssten die Strafverfolgung schnellstens effektiver gestalten mit dem Ziel, den Schmuggel und den Kauf illegaler Wildartenprodukte zu stoppen.
In Südafrika, Zimbabwe und Namibia sind fast 95 Prozent aller afrikanischen Nashörner beheimatet. Die afrikanischen Bestände werden derzeit auf etwa 20.000 Breitmaul- und 5.000 Spitzmaulnashörner geschätzt. Nashorn gilt vor allem in Vietnam als Luxusgut, dessen Konsum angeblich Krankheiten heilen kann, das aber auch als Stärkungsmittel vor Alkoholexzessen genommen wird.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01/ 488-231, Email: franko.petri@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Kampf gegen Plastikmüll: WWF weitert Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus
Plastikkrise im Mittelmeer spitzt sich zu – Bereits vier Tonnen alte Fischereisausrüstung geborgen – Neue Tauchausbildung soll Bergungsmenge bis Jahresende verdoppeln – Ausweitung von Meeresschutzgebieten gefordert
WWF: Portugal investiert groß in Renaturierung, Österreich soll nachziehen
Portugal will 500 Millionen Euro jährlich in Wiederherstellung der Natur investieren – Gemessen an der stärkeren Wirtschaftskraft wären das in Österreich rund 840 Millionen Euro pro Jahr – WWF fordert rasche Vorlage des gesamten Renaturierungsplans von Bund und Ländern
WWF kritisiert lückenhaftes Umweltbudget
Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
WWF und BirdLife: Aktuelle Genanalyse des Mageninhalts liefert neue Erkenntnisse zur Vergiftung – Wölfe könnten das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein
Artenschutz: WWF-Studie stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus
WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt












