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Oh, Tannenbaum! Österreichs schönste Wälder ohne „Hoffnung auf Beständigkeit“?
Presseaussendung
Oh, Tannenbaum! Österreichs schönste Wälder ohne „Hoffnung auf Beständigkeit“?
WWF, BirdLife und Naturschutzbund gegen Kahlschlag in Naturwaldreservaten
Wien, am 21. Dezember 2016 – Österreich will sich von der nationalen Förderung seiner Naturwaldreservate verabschieden. Das Verlegen auf EU-Förderungen mit minimaler Laufzeit ist angesichts der langfristigen Prozesse der Waldentwicklung sinnlos und stößt auf massiven Widerstand von Naturschützern und Forstwirten. Mit der damit verbundenen Bürokratielawine wird der Ausstieg der oft privaten Besitzer und damit der Verlust unserer letzten Naturwälder riskiert. WWF, BirdLife und Naturschutzbund appellieren an Andrä Rupprechter, das vorbildliche österreichische Naturwaldreservate-Programm langfristig abzusichern. Eine entsprechende medial kolportierte parlamentarische Anfrage der Grünen an den Umweltminister harrt derzeit ihrer Beantwortung.
Die Alpenkonvention war „Geburtshelfer“ für Österreichs international renommiertes Naturwaldreservate-Programm: Unberührte Waldjuwele sind als „Urwälder von morgen“ in ausreichender Größe und Anzahl zu schützen, so das Bergwald-Protokoll Anfang der 1990er Jahre. Seither sind auf knapp 8.403 Hektar Waldfläche 195 solcher Parzellen gesichert – als wertvolle Schatzkammern der Artenvielfalt, Forschungsflächen für die Wissenschaft und Kohlenstoffsenken gegen den Klimawandel. Ausgerechnet im 25. Jubiläumsjahr der Alpenkonvention und unter Österreichischem Vorsitz durch Umweltminister Rupprechter, könnte das Programm kippen.
Der WWF wird sich als offizieller Beobachter der Alpenkonvention dafür stark machen, dass der bewährte Weg fortgesetzt und weiterentwickelt wird. „Ohne Artenvielfalt wird unseren Wäldern das ökologische Rückgrat gebrochen“, mahnt Karin Enzenhofer vom WWF. Da in Naturwaldreservaten für die Dauer von derzeit 20 Jahren kein Holz entnommen wird, kann sich der Wald ungestört und dynamisch entwickeln – wichtig für Hirschkäfer, Alpenbock, Mopsfledermaus und unzählige weitere bedrohte Arten mehr, die auf Alt- und Totholz angewiesen sind. „Weil die Waldentwicklung naturgemäß lange Zeiträume benötigt, ist es doch nur logisch, dass auch die Förderung des Naturwaldprogramms langfristig angelegt sein muss“, so Enzenhofer.
Anstelle einer Bundesförderung mit 20 Jahren Bindungsdauer müssten die Vertragspartner künftig über eine EU-Förderschiene alle sieben Jahre aufs Neue ansuchen und komplizierte Flächenberechnungen durchführen. Dabei ist die Neuregelung im dritten Jahr der aktuellen Förderperiode noch immer nicht unter Dach und Fach. Das würde viele der vorwiegend privaten Waldbesitzer abschrecken. Etliche werden ihre Waldschutz-Verträge nicht verlängern, wodurch wertvolle Naturparadiese verloren gehen.
In den hunderten Naturwaldreservaten alpenweit werden unter Wildnis-ähnlichen Bedingungen neue Erkenntnisse über die natürlich ablaufenden Prozesse des Ökosystems Wald gewonnen. „Bäume in Naturwäldern erreichen ungefähr das dreifache Alter ihrer Artgenossen in Wirtschaftswäldern“, erklärt Gábor Wichmann von BirdLife. „Auch nach dem Absterben sind solche Bäume eigentlich nicht „tot“, sondern noch jahrzehntelang Lebensraum, beispielsweise für Käfer, Spinnen, Pilze, den Weißrückenspecht oder den Dreizehenspecht. Sie alle sind von hoher Bedeutung für die ökologische Funktionsfähigkeit, auch des Wirtschaftswaldes.“
Landschaftsflächen, auf denen nicht wirtschaftlicher Gewinn sondern die Natur im Vordergrund steht, werden immer weniger. „Naturwaldreservate sind unverzichtbare Evolutionsräume für die Natur. Um diese so genannten Trittsteine inmitten einer intensiv genutzten Waldlandschaft zu erhalten, braucht es Weitsicht und langfristige Programme. Nur so kann die biologische Vielfalt gesichert werden“, unterstreicht Naturschutzbund-Präsident Roman Türk. Eine entsprechend zentrale Rolle nimmt die Vernetzung von Lebensräumen demnach im Naturschutzprotokoll der Alpenkonvention ein.
Mit der geplanten Umstellung von Bundes- auf EU-Förderung riskiert Andrä Rupprechter die sehr gute Reputation, die Österreich alpenweit als Vorreiter und Vorbild im Waldschutz genießt. Die Fördersumme von – zusammengenommen – 1,5 Millionen Euro für die Naturwaldreservate der Republik steht in keinem Verhältnis zur internationalen Blamage, die Österreich droht, wenn im Zuge der geplanten Umstellung wichtige Flächen verloren gehen. „Naturwaldreservate sind auch als wichtige wissenschaftliche Grundlage für eine naturnahe Waldbewirtschaftung unverzichtbar. Das sollte nicht leichtfertig verspielt werden“, warnen die NGOs abschließend.
Erst heuer hat Minister Rupprechter die Österreichische Waldstrategie 2020+ unterzeichnet und sich darin auch für die Erhaltung nachhaltig geschützter Naturwälder ausgesprochen.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF, Tel. 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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