Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
Welternährungstag: WWF fordert Maßnahmen gegen sinkende Ernährungssicherheit
Wien, am 15. Oktober 2019. Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober fordert die Umweltschutzorganisation WWF Österreich eine radikale Trendwende, um die weltweite Ernährungssicherheit trotz voranschreitender Erderhitzung verbessern zu können. „Der extrem hohe Ressourcenverbrauch und die Folgen der Klimakrise haben schon heute weltweit dramatische Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit. Hitze, Trockenheit und Fluten sind vielerorts ein Risiko für Ernteausfälle – und das Risiko steigt weiter. Daher braucht es einen umfassenden politischen Aktionsplan, der an den Wurzeln der Probleme ansetzt", sagt Helene Glatter-Götz, WWF-Expertin für Nachhaltige Ernährung, unter Verweis auf die Sonderberichte des Weltklimarates. Demnach zählen auch eine andere Art der Landnutzung und die Umstellung des Ernährungssystems zu den wirksamsten Instrumenten gegen die Klimakrise.
Besonders effektiv wäre die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung: „Auf dem Weg vom Feld zum Teller geht ein Drittel aller Lebensmittel unnötig verloren – das sind weltweit 1,3 Milliarden Tonnen und 587.000 Tonnen in Österreich. Das ist eine sinnlose Verschwendung von Ressourcen mit fatalen Folgen für Umwelt, Natur und Klima sowie für die Menschen, die keinen ausreichenden Zugriff auf Lebensmittel haben“, so Glatter-Götz und verweist auf bisher zu wenig ausgeschöpfte Potenziale. „Wenn rechtzeitig die richtigen Maßnahmen gesetzt werden, kann unser Ernährungssystem auch eine große Chance im Kampf gegen die Klimakrise: durch klimaschonende Verfahren in Ackerbau und Tierhaltung sowie durch eine ausgewogene Ernährung, die hauptsächlich auf pflanzlichen Bestandteilen basiert, könnten pro Jahr weltweit bis zu neun Milliarden Tonnen CO2 eingespart werden.“
Wir essen die Erde arm: unser Beitrag zum Welthunger
Am Welthunger ist aus Europa vor allem der übermäßige Konsum von tierischen Produkten wie Fleisch, Milchprodukten oder Eiern maßgeblich beteiligt: um die Nutztiere in Europa und USA ausreichend füttern zu können, werden in Entwicklungsländern pflanzliche Futtermittel in großen Mengen angebaut und exportiert. Zusätzlich zu den hier verloren gegangenen fruchtbaren Landflächen benötigt die Fleischproduktion viele weitere Ressourcen, wie zum Beispiel Wasser, die vor Ort in anderen Bereichen fehlen. „Der wahnsinnig hohe Ressourcenaufwand für diese Lebensmittel steht in keinem Verhältnis zu den vielen hungernden Menschen auf dieser Welt. Ein Kilo Fleisch kann durchschnittlich zwei bis vier Personen ernähren, 16 Kilogramm Kartoffeln im Gegensatz dazu circa 80 Personen“, verdeutlicht WWF-Expertin Glatter-Götz die Notwendigkeit eines Umdenkens.
Vor diesem Hintergrund muss auch Österreich einen stärkeren Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit leisten: „Unsere Antworten müssen lauten: weniger und dafür besseres Fleisch, mehr bio und regional konsumieren und Lebensmittelverschwendung um die Hälfte reduzieren“, fordert WWF-Expertin Helene Glatter-Götz. Dabei adressiert sie auch die zukünftige Bundesregierung: „Wir brauchen ein ambitioniertes Maßnahmenpaket, das sämtliche Anforderungen an ein umweltverträgliches Ernährungssystem umfasst und sowohl in der öffentlichen Beschaffung als auch in allen Sektoren der Lebensmittel-Branche umgesetzt wird.“
Rückfragehinweis:
Sarah Bimingstorfer
Pressesprecherin WWF Österreich
sarah.bimingstorfer@wwf.at
+43 676 83 488 216
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