Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
WWF baut Schneehöhlen für bedrohte Ringelrobben
Helsinki, Wien, 26. Jänner 2016 – Der WWF hat mit freiwilligen Helfern in Finnland „Kinderstuben“ für Ringelrobben geschaufelt. In diese Schneewälle ziehen sich die Saimaa-Ringelrobben, eine bedrohte arktische Süßwasser-Robbenart, zur Geburt zurück. Von diesen Robben leben nur noch 360 Exemplare. „Kurzfristig hilft diese Maßnahme der Population, da die natürlichen Schneeverwehungen wegen der Klimaerwärmung ausbleiben,“ erklärt Georg Scattolin vom WWF Österreich. Langfristig kann jedoch nur der Erhalt ihrer Lebensräume das Überleben der Robben sichern, weiß der WWF-Experte für internationalen Artenschutz.
In den vergangenen Tagen haben sich Freiwillige zusammen mit dem WWF und dem finnischen Umweltministerium für das Überleben der Samaai-Robben eingesetzt. Sie schaufelten auf dem Saimaa, einem See im Südosten Finnlands, den Schnee zu großen Haufen zusammen. Die Elterntiere brauchen den Schnee, um Höhlen für die Geburt ihrer Jungtiere anzulegen. In den letzten Jahren hat es jedoch zu wenig geschneit. Deshalb haben die Artenschützer Hand angelegt. „Ohne diese Maßnahme könnte die Hälfte der Robbenbabys sterben“, erklärt Scattolin und lobt die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer. „Wir haben solche Schneewälle schon früher gebaut und die Erfahrung gemacht, dass fast ausnahmslos alle Robbenbabys in diesen aufgeschaufelten Dämmen geboren wurden.“
Zukunft der Robben ungewiss
Die ersten Robben-Schneedämme wurden vom WWF Finnland im Rahmen eines Forschungsprojektes unterstützt. Errichtet und getestet wurden sie von Wissenschaftlern der Universität Ostfinnland. „Die Situation der Robben am Saimaa gibt einen Vorgeschmack auf das, was in Zukunft in anderen Teilen der Arktis geschehen kann“, so Scattolin. Wie die Klima-Aufzeichnungen beweisen, waren die letzten drei Jahre die heißesten überhaupt. Das arktisches See-Eis schrumpft laufend in Umfang und Volumen – und somit schrumpfen auch die Lebensräume der arktischen Tierwelt. Robben, Seehunde, Walroß, Eisbär und Rentier sind nur einige Säugetierarten die in und um das Nordpolarmeer vorkommen.
„Wenngleich wir die Unterstützung der Freiwilligen sehr schätzen, handelt es sich nur um eine temporäre Ersatzhandlung. Es braucht eine Strategie, die unmittelbare Maßnahmen im Klimaschutz und eine langfristige Planung mit einschließt, wie die Lebensräume von eisabhängigen Arten erhalten werden können“, so Scattolin abschließend.
Rückfragehinweis und Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 – 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
WWF und BirdLife: Aktuelle Genanalyse des Mageninhalts liefert neue Erkenntnisse zur Vergiftung – Wölfe könnten das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein
Artenschutz: WWF-Studie stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus
WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt












