Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
WWF: Erholung von Thunfisch-Beständen droht das Aus
Wien, Brüssel – Die EU und andere Fischereinationen der Internationalen Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) beraten kommende Woche über eine drastische Erhöhung der zulässigen Gesamtfangmenge an Blauflossen-Thun im Ostatlantik und Mittelmeer. Der WWF warnt vor den Gesprächen in Marokko (14.-22. November) nachdrücklich vor einer raschen Erhöhung der Fangquoten, die eine vollständige Erholung der Thunfischbestände zu beeinträchtigen droht.
Nach mehr als zehnjährigem Ringen um die Rettung und nachhaltige Bewirtschaftung des bedrohten Bestands schlägt der wissenschaftliche Beirat der ICCAT eine Erhöhung der zulässigen Gesamtfangmenge auf 36.000 Tonnen bis 2020 vor – mehr als das Doppelte der Quote für 2015 –, erklärt aber gleichzeitig, dass sich der Bestand noch nicht erholt hat. Dieselben Wissenschaftler warnen davor, dass eine solche Fangmenge die Bestände an Blauflossen-Thun in den kommenden Jahren verringern könnte.
"Der Blauflossen-Thun-Bestand ist noch nicht bereit, eine solch rasche Zunahme der Fangmengen zu verkraften. Wir haben mehr als zehn Jahre gebraucht, um diesen Thunfisch wieder zurück in unsere Meere zu bringen. Die Aussicht auf kurzfristige Profite darf nicht dazu führen, ihn wieder zu verlieren", warnt Simone Niedermüller, Fischerei-Expertin des WWF Österreich.
Die EU schlägt vor, den 2007 verabschiedeten und 2022 auslaufenden Erholungs-Plan zu unterbrechen. Der WWF befürchtet eine Schwächung des Managements der Blauflossen-Population im Zuge von Neuverhandlungen.
"Bisherige Maßnahmen zur Bestands-Erholung zeigen erste positive Wirkung, der Blauflossen-Thun ist nicht mehr überfischt. Wir fordern die Regierungen dazu auf, eine vollständige Erholung der Art abzuwarten statt diese Erfolge aufs Spiel zu setzen", ergänzt Niedermüller.
Der WWF empfiehlt eine Quote von 28.000 Tonnen bis 2020, um weiteres Bestands-Wachstum zu ermöglichen. Der Erholungs-Plan muss fortgeführt werden, bis Wissenschaftler die Bestände für erholt erklären. Der WWF fordert, Kleinfischereien – die in den letzten zehn Jahren vom Zugang zu den Beständen nahezu ausgeschlossen waren – höhere Quoten zuzuweisen. Auch die unbekannten Auswirkungen der noch immer vermuteten illegalen, nicht-gemeldeten und unregulierten (IUU) Fischerei im Mittelmeer verlangen nach mehr Aufmerksamkeit.
"Der Wiederaufbau des Blauflossen-Thunfisch-Bestands war und ist eine große Herausforderung. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen und Geduld üben, bis sich die Bestände erholt und stabilisiert haben. Setzen wir den erfolgreichen Weg der letzten Jahre fort statt eine Kehrtwende einzuleiten, wird dies bald gelingen", schließt Niedermüller.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák, WWF-Pressesprecher, Tel. +43 676 83 488 276, E-Mail: florian.kozak@wwf.at
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