EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF Österreich fordert Kurswechsel der Europäischen Agrarpolitik
Aktuelles System mit vielen Schwächen, EU-Kommission gefordert – Künftige Bundesregierung muss sich für nachhaltige, faire und umweltverträgliche EU-Landwirtschaftspolitik einsetzen
Wien/Brüssel, 29. 11. 2017 – Anlässlich der heutigen Präsentation des Reformkonzepts für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) durch die EU-Kommission spricht sich der WWF Österreich für eine grundlegende Reform aus. „Das aktuelle System hat viele Schwächen und bringt nicht die gewünschten Ergebnisse für die Gesellschaft. Daher fordern wir von der EU-Kommission einen Kurswechsel, der zu mehr Nachhaltigkeit, Fairness und Klimaschutz führt. Gerade ein Land wie Österreich muss ein Vorreiter für eine Trendwende sein. Dafür muss sich auch die neue Bundesregierung in den Verhandlungen auf europäischer Ebene einsetzen“, sagt Hanna Simons, Leiterin der Natur- und Umweltschutzabteilung und stellvertretende Geschäftsführerin beim WWF Österreich.
Setzt sich ein Landwirt besonders für Naturschutz oder nachhaltige Ernährung ein, wurde das bisher von der Europäischen Union in vielen Fällen nicht belohnt. Denn tendenziell landet das Geld am ehesten bei den intensiven Betrieben, während insbesondere Natur, Umwelt und Klimaschutz auf der Strecke bleiben. Im Hintergrund steht eine Handelspolitik, die eine Produktion zu Weltmarktpreisen verlangt, was aber gerade in ökologisch wertvollen Landschaften oft nur schwer möglich ist.
Daher engagiert sich der WWF Österreich gemeinsam mit vielen anderen Organisationen für eine naturverträgliche und faire EU-Agrarpolitik, die auch den Klimaschutz und die globale Verantwortung Europas berücksichtigt. Gemäß dem Motto „öffentliches Geld für öffentliche Güter“ sollten die Fördermittel von direkten Flächenzulagen per Gießkanne stärker in Richtung Umwelt- und Naturdienstleistungen gehen. Zudem muss es mehr EU-Unterstützung für biologischen Landbau und eine Priorität für Klimaschutz geben.
In diesem Sinne sieht der WWF auch die künftige Regierung gefordert, für eine echte Reform einzutreten und nicht nur einzelne Lobbys zu vertreten. Ganz grundsätzlich müsse die Landwirtschaft in Europa natur- und klimafreundlicher ausgerichtet werden. „Das heißt: weniger Kunstdünger, weniger Pestizide und mehr Vielfalt auf den Feldern. Damit werden nicht nur unsere Lebensmittel gesünder produziert, sondern könnten auch dramatische Entwicklungen wie das Insektensterben zurückgedrängt werden“, sagt Hanna Simons.
Zu einem vernichtenden Urteil kommt auch eine groß angelegte internationale Studie, die vor kurzem in Brüssel vorgestellt wurde. Obwohl es sich bei der EU-Agrarpolitik um den mit Abstand größten Posten des EU-Haushalts mit einem Budget von jährlich 59 Milliarden Euro handelt, werden die wesentlichen Ziele deutlich verfehlt.
Rückfragehinweis: Volker Hollenstein, Politischer Leiter WWF, Tel. 01/488 17-285, volker.hollenstein@wwf.at
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