Biologie

Lebensraum
Wölfe haben wie kein anderes Säugetier die unterschiedlichsten Lebensräume besiedelt: von der baumlosen Tundra im Norden über die Nadelwaldzone der Taiga, die Wälder der gemäßigten Breiten bis in die Steppen und sogar Wüstengegenden Mexikos und der Arabischen Halbinsel. Sie kommen in sumpfigen Niederungen wie in größeren Höhenlagen, in ausgesprochenen Meeres- wie Festlandsklima, in menschenleeren wie auch in dicht besiedelten Gebieten vor. Wichtig für Wölfe ist das Vorhandensein von störungsarmen Rückzugsgebieten, in die sie sich tagsüber zurückziehen und ihre Jungen aufziehen können. Diese Gebiete müssen aber weder wild noch menschenleer sein, wie es die Wölfe um die italienische Hauptstadt und auf deutschen aktiven Truppenübungsplätzen beweisen.

Nahrung
Der Wolf jagt bevorzugt, Rehe, Wildschweine, Hirsche und Elche. Zwar sind Wölfe in der Lage, gesunde ausgewachsene Tiere zu töten. Doch haben Feldstudien gezeigt, dass mehr als 60 Prozent ihrer Beute junge, schwache oder alte Tiere sind. Kleinsäuger wie Hasen, Kaninchen, Murmeltiere, Füchse sowie Insekten, Vögel, Reptilien, Früchte und Aas runden den Speiseplan ab. Wölfe erbeuten aber auch Haustiere, besonders Schafe und Ziegen, wenn diese ungeschützt sind. Bei großen Beutetieren sind die Wölfe auf eine Gruppenjagd im Rudel angewiesen und erlegen die Beute gemeinsam. Wölfe töten nicht aus „reiner Mordlust“, es wurden Tiere beobachtet, die auch zu einem tags zuvor getöteten Reh zurückkehrten, um am Kadaver weiter zu fressen. Tötungen mehrerer Tiere auf einmal sind extrem selten und nur dann zu beobachten, wenn die Beutetiere nicht flüchten. Diese Strategie verfolgen zum Beispiel Schafe, die bei Gefahr in eine dichte Gruppe bilden und an Ort und Stelle zu bleiben. Gewohnt an flüchtende Wildtiere und Nahrungsknappheit in der Natur, töten Wölfe dann mehr Schafe, als sie au einmal fressen können. Der mittlere Nahrungsbedarf eines Wolfes beträgt etwa drei bis vier Kilogramm Fleisch am Tag, das entspricht etwa 25 Hirschen pro Jahr


Fortpflanzung
Je nach Klimazone findet die Paarungszeit zwischen Dezember und April statt. Nach 61 bis 63 Tagen Tragzeit werden zwischen vier und sieben Welpen geboren. Mit sieben bis neun Wochen werden die Jungwölfe von der Mutter entwöhnt. Alle Tiere des Rudels beteiligen sich an der Aufzucht der Jungen. Mit ein bis drei Jahren sind die Jungtiere geschlechtsreif.
In freier Wildbahn können Wölfe 8 bis 16 Jahre alt werden, in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre.


Sozialverhalten
Wölfe sind soziale Tiere und leben in Rudeln mit starken Bindungen und Hierarchien. Durch die Organisation im Rudel können Wölfe Tiere erbeuten, die ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichtes haben (Elche, Wisente). Dieses Jagdverhalten sichert ihnen einen Überlebensvorteil gegenüber Einzelgängern wie den Füchsen.
Zum Wolfsrudel können neben den Eltern und ihren Welpen auch frühere Nachkommen und andere Verwandte gehören. Die Anzahl der Tiere pro Rudel hängt vorwiegend vom Beutetierangebot ab und davon, wann die Jungwölfe die Eltern verlassen. Jedes Rudel besitzt ein Revier, dessen Größe vom Nahrungsangebot und Breitengrad abhängt. Innerhalb eines Wolfsrudels nimmt das Alpha-Tier die ranghächste Stellung ein, gefolgt vom Beta-Männchen. Danach kommen die untergeordneten Mitglieder, meist die Jungen der vorangangenen Jahre. Die Welpen ordnen sich nach dem ersten Jahr der "Narrenfreiheit" in die Hierarchie ein. Gewöhnlich pflanzt sich nur das Alpha-Paar fort.