14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder
WWF präsentiert Klimaplan für die Welt
Wien, 15. Mai 2007 – Der WWF International stellte heute in einem globalen Bericht eine Generalstrategie vor, wie der Klimawandel aufgehalten werden kann. Mehr als Hundert Wissenschaftler arbeiteten länger als ein Jahr an dem nun vorliegenden Bericht, der die Lösungen beschreibt, um den Treibhauseffekt jetzt aufzuhalten. Auch für Österreich hat der WWF eine nationale Energievision entwickelt, um die negativen Folgen des Klimawandels zumindest zu verringern. „Die technologischen Voraussetzungen für eine saubere Energiezukunft sind bereits vorhanden. Jetzt geht es um die Umsetzung der Vorschläge und die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen“, erklärt der WWF-Energieexperte Markus Niedermair und stellt dazu die Energievision für Österreich vor.
Der Bericht von WWF International befürchtet, dass sich die Nachfrage an Energie weltweit bis 2050 verdoppeln wird. Um die sozialen und ökologischen Katastrophen, die aus dieser Entwicklung zu erwarten sind, abzuwenden, schlägt der WWF sechs wesentliche Maßnahmenbündel vor: In den Industrieländern, die am meisten zum Treibhauseffekt beitragen, muss an erster Stelle die Energieeffizienz erhöht werden. Der Ausstoß von bis zu 9,4 Gigatonnen Kohlenstoff könnte dadurch vermieden werden. Zweitens muss die Abholzung des tropischen Regenwaldes sofort gestoppt werden, denn ein Viertel des atmosphärischen Kohlendioxids ist auf den Verlust der Wälder zurückzuführen. Drittens wären 70 Prozent des weltweiten Energiebedarfs durch die technische Weiterentwicklung und Einführung von Alternativenergien aus Wind, Sonne und Biomasse abzudecken. 10,2 Gigatonnen Kohlenstoff-Emissionen können so vermieden werden. Als viertes Maßnamenbündel schlägt der WWF Investitionen in flexible Treibstoffe, neue Infrastruktur sowie in eine bessere Energiespeicherung vor. Für die Übergangszeit bis 2050 soll fünftens Kohle durch Erdgas ersetzt werden. Für die bis 2050 nicht vermeidbaren Klimagase muss sechstens das Kohlendioxid in den leeren Erdöl und Erdgaslagerstätten gespeichert werden.
Bei der Umsetzung der globalen „Energieoptionen“ muss jedes Land auf seine Möglichkeiten Bedacht nehmen. Das wichtigste Ziel für Österreich ist der Ausstieg aus der Verbrennung von Öl und Gas bis 2050. Atomstromimporte und Kohlestrom sollten bereits im Jahr 2020 Geschichte sein. Für Österreich schlägt der WWF ein Bündel von fünf Maßnahmen vor: Österreich muss sicherstellen, dass bundesweit spätestens ab 2010 nur noch Passivhäuser gebaut werden und daher die öffentliche Wohnbauförderung umgestellt werden muss. Die Benzinpreise müssen auf das Niveau der Nachbarländer angehoben werden, um damit den Tanktourismus abzuschaffen. Die Energieverbrauchstandards für PKW, Elektrogeräte und Kraftwerke auf EU-Ebene müssen radikal verschärft werden, fordert der WWF einen sofortigen Einsatz für verbindliche Ziele in Brüssel. Weiters braucht es einen langfristigen Ausbau von Ökostrom und Bahnangeboten. Um diese ohnehin unvermeidlichen Vorhaben aufkommensneutral zu finanzieren ist eine CO2-Steuer notwendig.
Mit diesem WWF-Klimaplan sollen Österreichs CO2-Emissionen bis ins Jahr 2020 um rund 35 Millionen Tonnen reduziert werden. Diese Menge ist mindestens notwendig um die von der EU für 2020 bereits beschlossene Reduktion von 30 Prozent gegenüber 1990 zu verwirklichen. Die bisherige Klimastrategie der österreichischen Bundesregierung ist für diese Aufgabe ungeeignet, wie eine neue Studie der EU-Kommission bestätigt. Ohne zusätzliche Maßnahmen werden Österreichs CO2-Emissionen bis 2010 um 28 Prozent über jenen von 1990 liegen und damit wird das Kyotoziel um mehr als 40 Prozent verfehlt. Die Verwirklichung des WWF-Klimaplans bedeutet für die Volkswirtschaft Österreichs enorme Vorteile wie z.B. geringere Klimaschäden durch Hochwasser und Dürren. Auch würden 1,5 Milliarden Euro an Kompensationszahlungen für eine Verfehlung der internationalen Klimaziele vermieden werden. Ein weiterer positiver Effekt ist die reduzierte Abhängigkeit von immer teureren Energieimporten und die Schaffung Tausender von neuen Arbeitsplätzen. Eine Umsetzung des WWF-Klimaplans würde Österreich nach zahlreichen Rückschlägen wieder zurück an die Spitze der internationalen Umweltpolitik bringen und eine weltweite Energiewende hin zu mehr Nachhaltigkeit beschleunigen.
Weitere Informationen:
Markus Niedermair, WWF-Klimaexperte, tel. (01)48817-252.
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