Online-Voting über neun Flüsse aus allen Bundesländern bis 1. September – Fachleute wählten Kandidaten nach Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf aus
Neuer WWF-Report: So scheitern Europa und Österreich im Kampf gegen die Holzmafia
Brüssel, Wien, am 17. Dezember 2019. Die Europäische Union versagt beim Kampf gegen den milliardenschweren illegalen Holzhandel, weil die Mitgliedsländer viel zu wenig kontrollieren und viel zu laxe Sanktionen vorsehen. Das zeigt ein aktueller WWF-Report zur lückenhaften Umsetzung der EU-Holzhandelsverordnung in 16 bewerteten EU-Ländern. Das ebenfalls geprüfte Österreich schneidet besonders schlecht ab. „Illegaler Holzeinschlag zerstört nicht nur weltweit Wälder, sondern verschärft auch die Klima- und Biodiversitätskrise. Der Kampf gegen die Holzmafia erfordert daher deutlich mehr Kontrollen und schärfere Sanktionen“, fordert Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich. „Das geltende EU-Recht könnte den Klima- und Artenschutz massiv unterstützen, wird aber von den Mitgliedsländern viel zu schlecht umgesetzt. Es fehlt an wirksamen Prüfungen und abschreckenden Strafen, weshalb viele Unternehmen die relevante Verordnung bis heute nicht ernst nehmen“, erläutert Simons das Ergebnis der Analyse, die auf einer Befragung der jeweils zuständigen Behörden in den teilnehmenden Ländern beruht.
Österreich agiert besonders schwach. Immer wieder zeigen Recherchen von Medien und Umweltschutzorganisationen, dass viel illegales Holz aus Kahlschlägen auf den Markt kommt, weil Politik und Behörden säumig sind. Hinweisen des WWF wurde bisher entweder gar nicht oder nur völlig unzureichend nachgegangen. Das zuständige Bundesamt für Wald kontrolliert viel zu wenig, hat zu wenige personelle Ressourcen und entsprechend geschultes Personal, so das Ergebnis des Reports. Weniger als ein Prozent der Marktteilnehmer werden jährlich kontrolliert. Wenn überhaupt gestraft wird, entfalten die Strafen und Sanktionsmechanismen keine ausreichend abschreckende Wirkung. Auch Kontrollen von Importeuren aus Hochrisikoländern kamen erst aufgrund eines NGO-Berichts zur Ukraine zustande. Dennoch fand ein Investigativ-Journalist der Rechercheplattform Addendum zuletzt mehrere österreichische Parketthersteller, die große Mengen Holz aus höchst zweifelhafter ukrainischer Herkunft beschafft hatten. Ein Unternehmen gab an, von der zuständigen heimischen Behörde im Jahr 2019 zweimal mit dem Ergebnis „keine Beanstandung“ kontrolliert worden zu sein.
Umweltministerium und Behörden müssen handeln
Aufgrund dieser Missstände fordert der WWF Österreich die Bundesregierung zur effektiven Durchsetzung des geltenden EU-Rechts gegen den illegalen Holzhandel auf. „Das Umweltministerium und das zuständige Bundesamt für Wald müssen endlich konkrete Taten setzen. Gemessen am Risiko reichen Schmalspur-Prüfungen und Placebo-Strafen in keinster Weise aus. Zusätzlich muss auch die EU-Kommission deutlich aktiver gegen säumige Länder vorgehen, wenn sie ihren eigenen ‚Green Deal‘ ernst nimmt“, fordert Hanna Simons. „Es kann nicht sein, dass Politik und Verwaltung den Raubbau an den Wäldern der Welt einfach nur achselzuckend hinnehmen.“
Über die EU-Holzhandelsverordnung
Die EU-Holzhandelsverordnung (European Timber Regulation, EUTR) soll illegales Holz von der Europäischen Union fernhalten und Holz aus nachhaltigen Quellen stärken. Das Inverkehrbringen von Holz und Holzprodukten aus illegalem Einschlag ist verboten, Importeure müssen eine Sorgfaltspflichtregelung befolgen. Allerdings agieren die prüfenden Behörden viel zu lax und besteht eine Lücke darin, dass nur der „Erstinverkehrbringer“ von Holz die Legalität sicherstellen muss. Somit fällt es betroffenen Unternehmen immer wieder leicht, ihre Schuld auf Lieferanten abzuwälzen.
Rückfragehinweis:
Mag. Volker Hollenstein
Leiter Politik & Kommunikation WWF Österreich
Mobil: +43664 501 31 58
E-Mail: volker.hollenstein@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Neue Zahlen: Möglicher Stromverbrauch entspricht fast einem Drittel des Stromverbrauchs von ganz Oberösterreich – Gesamter Ausbau muss Umweltprüfung durchlaufen – Stromhunger darf nicht auf Natur abgewälzt werden
Huchensterben in der Ybbs: WWF warnt vor tödlichen Wanderhindernissen
Fotos zeigen stark gefährdete Fische vor Kraftwerksbarrieren – WWF fordert funktionsfähige Fischaufstiege und durchgängige Flüsse als Schutz vor zunehmender Hitze
WWF-Erfolg: Tiwag muss Gefahrenanalysen herausgeben
Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gibt dem WWF recht: Die Tiwag muss wichtige Dokumente rund um den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal herausgeben. Dazu zählen auch Flutwellenberechnungen und Gefahrenszenarien.
WWF-Untersuchung: Wildfluss-Heuschrecken am Tiroler Inn verschwunden
Drei stark gefährdete Arten nur noch am Zubringer Ötztaler Ache nachweisbar – Flussverbauungen und Wasserableitungen setzen letzte Lebensräume unter Druck – WWF fordert großflächige Renaturierungen
WWF: Gericht verpflichtet Tiwag zur Herausgabe von Gefahrenanalysen
Landesverwaltungsgericht gibt WWF recht: Landesenergiekonzern muss Untersuchungen zu klimabedingten Naturgefahren, Flutwellenberechnungen, Alarmpläne und Gefahrenszenarien zum Gepatsch-Speicher herausgeben
Google-Rechenzentrum ohne UVP: WWF fordert rasche Gesetzesreform
Rechenzentren als eigenen Tatbestand im UVP-Gesetz verankern – Umweltorganisation verlangt Gesamtprüfung und strenge Umweltauflagen für Google-Ausbau in Kronstorf
Good News: Mehr Luchse in den Südostalpen
Im Dreiländereck Italien-Slowenien-Österreich beobachten wir einen Anstieg der Luchspopulation. Eine schöne Bestätigung für den grenzüberschreitenden Artenschutz!
WWF-Studie: Massiv gefährdete Donaustöre beinahe täglich Opfer von Wildtierkriminalität
In zehn Jahren über 3.300 Störe in der Unteren Donau illegal getötet – WWF warnt vor Kollaps dieser wichtigen Vorkommen in Europa und fordert konsequentere Strafverfolgung













