Aktuelle Anfrage an TIWAG eingereicht – Naturschutzorganisation für volle Transparenz, bevor Kraftwerksausbau vorangetrieben wird – Klimakrise verschärft Naturgefahren und Sicherheitsrisiken
Fischotter: WWF leitet rechtliche Schritte gegen Abschussverordnung ein
St. Pölten, 16.12.2019 – Die Naturschutzorganisation WWF Österreich wird rechtliche Schritte gegen den Massenabschuss von Fischottern in Niederösterreich einleiten. „Die Landesregierung torpediert den europaweiten Schutz des Fischotters und geht damit aus unserer Sicht mehrfach rechtswidrig vor. Das muss Konsequenzen haben“, begründet Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre die WWF-Initiative gegen die umstrittene Verordnung der Landesregierung. „Die Tötung von bis zu 150 Fischottern betrifft fast 20 Prozent der in der kontinentalen Region Niederösterreichs vorkommenden Fischotter. Das hat mit dem behaupteten maßvollen Eingriff nicht das Geringste zu tun. Vielmehr ist es ein Frontalangriff auf eine ehemals nahezu ausgerottete Art, die sich erst nach jahrelangen Schutzbemühungen auf dem Weg der Erholung befindet. In einige seiner früheren Lebensräume ist der Otter immer noch nicht zurückgekehrt“, sagt die Biologin Wolf-Petre.
Das Landesverwaltungsgericht hat bereits zwei fehlerhafte Fischotter-Bescheide des Landes mit nahezu gleichem Ansinnen aufgehoben. Das rein politisch motivierte Manöver, den Naturschutz mit einem Wechsel auf eine Verordnung aushebeln zu wollen, ist inhaltlich genauso zweifelhaft. „Kurzsichtige Profitinteressen dürfen nicht auf Kosten des europäischen Artenschutzes gehen. Daher werden wir einen Antrag auf Überprüfung der Rechtmäßigkeit bei der Naturschutzbehörde einbringen und wollen die Rücknahme der Verordnung auf dem Rechtsweg durchsetzen“, sagt Christina Wolf-Petre. Auch in Kärnten, das ebenfalls Jagd auf die geschützten Fischotter macht, hat der WWF bereits entsprechende rechtliche Schritte gesetzt.
Anders als behauptet sind die in Niederösterreich verordneten Otter-Tötungen ein untaugliches Mittel, um Schäden in der Teichwirtschaft einzudämmen, weil nachziehende Tiere immer wieder freigewordenen Lebensraum besiedeln werden. Zielführend sind daher nur konsequente Präventionsmaßnahmen wie zum Beispiel Zäunungen und ein an den Fischotter angepasstes Management. Wenn Schäden auftreten, müssen langfristig gesicherte und ausreichende Entschädigungen zur Verfügung stehen. Bisher ist hier aber viel zu wenig passiert.
Das ebenfalls zur Abschussbegründung vorgeschobene Fischsterben liegt laut offiziellen Daten der Bundesländer hauptsächlich an der Verbauung und Verschmutzung von Flüssen und Seen. „Niederösterreichs bisherige Maßnahmen zur Renaturierung sind positiv, müssten aber sehr viel umfangreicher ausfallen, um flächendeckend zu wirken. Würde das Land mit annähernd so großem Einsatz Flüsse sanieren wie neue Straßen bauen, wäre die Lebensgrundlage vieler Arten weit besser geschützt“, so Wolf-Petre.
Im Zuge einer Petition appellieren die Naturschutzorganisation WWF Österreich und die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN gemeinsam an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die umstrittene Verordnung zurückzunehmen. Zudem sollen heimische Flüsse und Seen umfassend geschützt und renaturiert werden, um weiteres Fischsterben zu verhindern. Unterschriften dafür sind online möglich: www.wwf.at/fischotter-petition
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
“Der Luchs verschwindet”: WWF schlägt mit Weihnachtskampagne Alarm für den Schutz der seltenen Katzenart
Nur noch maximal 35 Luchse in Österreich – WWF fordert bessere Vernetzung der Lebensräume und entschlossenes Vorgehen gegen Wildtierkriminalität
Artenschutzkonferenz im Zeichen der Haie und Rochen: WWF fordert Handelsverbot für gefährdete Arten
Artenschutzkonferenz CITES startet am 24.11. in Usbekistan – WWF fordert besseren Schutz für Haie, Rochen, Aale, Galapagos-Echsen und warnt vor Aufweichung der Handelsbeschränkungen mit Elfenbein und Nashorn-Horn
Good News: Neues Schutzgebiet in Bolivien
In Bolivien wurde ein wichtiges Ökosystem offiziell unter Schutz gestellt: Monte Carmelo. Das neue Schutzgebiet schließt eine wichtige Lücke im südamerikanischen Naturschutz – und sichert den Lebensraum des Jaguars.
Bodenversiegelung statt Klimaschutz: WWF kritisiert Hanke-Kurs in der Verkehrspolitik
Verkehrsminister ignoriert massive Umweltfolgen der geplanten Schnellstraßen-Projekte – Insbesondere Lobau-Autobahn ist gefährlicher Irrweg
COP30: WWF fordert Klima- und Naturschutz-Offensive
Zehn Jahre nach Paris muss Politik endlich liefern – Weltweiter Kraftakt notwendig, um 1,5-Grad-Ziel doch noch zu schaffen
WWF-Erfolg: Scheue Pallaskatze im indischen Himalaja entdeckt
Im indischen Hochgebirge ist WWF-Forscher:innen eine spektakuläre Entdeckung gelungen: Erstmals konnten sie dort die scheue Pallaskatze fotografieren. Außerdem verzeichneten sie neue Rekorde zu Wildkatzen in dem Gebiet.
WWF: Neues EU-Klimaziel 2040 wird durch Tricks und Klauseln ausgehöhlt
Umweltorganisation kritisiert „faulen Kompromiss“ der Politik – Wirksamer Klima- und Naturschutz in Europa anstelle teurer Schlupflöcher und Scheinlösungen
Neuer Report: WWF alarmiert über illegalen Handel mit asiatischen Großkatzen
Zunehmender Handel mit geschützten Arten im Internet – WWF warnt vor kriminellen Verflechtungen bis nach Europa und fordert bessere internationale Zusammenarbeit













