Aktueller WWF-Artencheck: Langjähriger Wassermangel bedroht Bitterling, Donau-Kammmolch, Sumpfschildkröte und Flussmuscheln – Anhaltende Dürre verschärft die Lage und bedroht lokale Vorkommen
Hurra, Walpurgisnacht! – Haben unsere Eulen Grund zu feiern?
Was fasziniert den Menschen seit jeher an den Eulen? Die nächtliche, verborgene Lebensweise, die unheimlichen Rufe, der geräuschlose Flug und auch der starre Gesichtsausdruck mit den großen, nach vorne gerichteten Augen schürten den Aberglauben. Totenvögel und Unglückszeiger seien sie, ebenso Botentiere der Hexen. Zugleich hat man den Eulen aber Weisheit zugesprochen und sie wurden zu Symboltieren für Universitäten, Bibliotheken und Verlage. Anlässlich der Walpurgisnacht am 30. April, an welcher der Überlieferung zufolge die Hexen um den Blocksberg tanzen, werfen BirdLife Österreich, Nationalpark Donau-Auen und WWF einen Blick auf die Bedürfnisse der faszinierenden Eulen und ihre aktuelle Situation.
Zehn Eulenarten sind in Österreich heimisch: Uhu, Habichtskauz, Waldkauz, Sumpfohreule, Waldohreule, Schleiereule, Raufußkauz, Steinkauz, Zwergohreule und Sperlingskauz. Ihre Lebensraum-Ansprüche sind unterschiedlich, von offenen Landschaften und alten Obstgärten bis hin zu Baumriesen und undurchdringlichen Wäldern. Alle Eulen stehen unter Schutz und sind teils vom Aussterben bedroht. Der Verlust von Lebensräumen, Nahrung und insbesondere Brutmöglichkeiten macht ihnen zu schaffen, denn Eulen bauen selbst keine Nester. Vielmehr nutzen sie je nach Art verlassene Horste anderer Großvögel oder sind auf Strukturen wie Baumhöhlen sowie Fels- und Gebäudenischen angewiesen.

Es verwundert nicht, dass Eulen insbesondere in Schutzgebieten wie dem Nationalpark Donau-Auen noch geeignete Bedingungen vorfinden. Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat Eulen-Expertin Christina Nagl umfangreiche Erhebungen der Vorkommen in den March- und Donau-Auen durchgeführt und dabei faszinierende Erkenntnisse gewonnen: „Auwälder sind für Waldkauz, Waldohreule und Uhu von Bedeutung. Vorzugsweise werden alte, naturnahe Wald- und Wiesenflächen als Brut- und Jagdhabitate genutzt. Platz 1 für die höchste Besiedelungsdichte unter den drei Arten geht mit Abstand an den Waldkauz, wobei Analysen der charakteristischen Kauz-Gesänge eine zuverlässige Unterscheidung der Individuen möglich machen.“

Doch auch die Kulturlandschaft hat früher genügend Platz für spezialisierte Arten wie die Schleiereule geboten. Als Mäusejäger fand der weiße Nachtvogel mit dem herzförmigen Gesicht bis vor wenigen Jahrzehnten auf Feldern und in offenen Scheunen genügend Nahrung. Nach Einschätzung der Vogelschutzorganisation BirdLife gibt es heute in Österreich allerdings nur noch fünfzig Brutpaare insgesamt – davon an die 20 in Niederösterreich. „Die Vögel benötigen für ihre Nistplätze offenes Mauerwerk wie Kirchtürme und alte Schuppen. Solche offenen Bauwerke gibt es aber kaum mehr. Die Intensivierung der Landwirtschaft und auch die Verdichtung der Verkehrsnetze sind Faktoren, warum die kreischenden und lang gezogenen Revierrufe der männlichen Schleiereulen nächtens kaum mehr aufhorchen lassen“, so Gábor Wichmann von BirdLife.
„Eulen sind faszinierende Vögel, die jedoch gezielte Schutzmaßnahmen brauchen, damit sie überleben können“, unterstreicht Karin Donnerbaum vom WWF. So benötigen Raufuß-, Sperlings- und auch der wiederangesiedelte Habichtskauz zum Brüten Baumhöhlen, die sie vor allem in alten, intakten Wäldern vorfinden. Der kleine Steinkauz wiederum, der früher zu Unrecht als Totenvogel galt, ist auf offenes Kulturland angewiesen. Auch der imposante Uhu, dessen Bestände sich mittlerweile etwas erholt haben, kommt in einer arten- und abwechslungsreichen Landschaft besser zurecht. Allen Eulenarten ist gemeinsam, dass ihnen unsere moderne Lebens- und Wirtschaftsweise zusetzt. Der WWF wirbt gemeinsam mit den Österreichischen Bundesforsten in einer Broschüre um Unterstützung und Sympathie für die Eulen.
Wenn es auch gemäß dem alten Sprichwort sinnlos ist, Eulen nach Athen zu tragen, wäre das lautlose Verschwinden der faszinierenden Nachtjäger aus dem heimischen Artenspektrum doch ein schwerwiegender Verlust, und unser Naturerbe wäre um einiges ärmer ohne Kauz und Co., sind sich die ExpertInnen einig.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin, Tel. 01/ 488 17-250
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