Hitze und Trockenheit setzen Amphibien, Jungvögeln und Schmetterlingen besonders zu – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und gibt Tipps, um Wildtieren zu helfen
Internationale Konferenz in Salzburg: Herdenschutz ist effektiver als Wolfsabschuss
Salzburg, 23.01.2019 – Während die Entscheidung der Behörden über den Antrag auf Abschuss eines Wolfs in Salzburg noch aussteht, möchte die Naturschutzorganisation WWF Österreich die kontroverse Debatte darum versachlichen. Eine hochkarätig besetzte, internationale Fachkonferenz in Salzburg zum Thema ‚Herdenschutz im Alpenraum‘ zeigt Lösungen abseits populistischer Abschussforderungen auf. Von Dienstag bis Donnerstag referieren prominente Vortragende aus den USA und Europa über Vorzeigeprojekte im Herdenschutz, informieren über Fördermöglichkeiten und die praktische Umsetzung von konfliktmindernden Maßnahmen wie Elektrozäune und Schutzhunde.
„Die natürliche Rückkehr der Wölfe nach Österreich stellt die Nutztierhaltung vor Herausforderungen, die Wolfsabschüsse aber nicht lösen können. Unsere Nachbarländer Schweiz, Slowenien und auch einige heimische VorreiterInnen zeigen vorbildlich, wie LandwirtInnen ihre Herden effektiv schützen können. Österreich hinkt hier hinterher und darf keine weitere Zeit mehr verlieren, endlich großflächig in die Umsetzung zu gelangen. Nur so ist eine Koexistenz von Weidebetrieben und Wölfen möglich“, sagt WWF-Wolfs-Experte Christian Pichler. Er fordert mehr finanzielle und praktische Unterstützung durch die Politik, intensive Information sowie ausgewogene Beratung für betroffene Bäuerinnen und Bauern. Zudem muss schnellstmöglich mit der Ausbildung von Herdenschutzhunden begonnen werden, die mehrere Jahre dauert.
Experten: Herdenschutz ist alternativlos
Wie eine vielbeachtete Studie im US-amerikanischen Fachjournal ‚Frontiers in Ecology and the Environment‘ belegt, sind Abschüsse eine wenig effektive Maßnahme, um Risse durch große Beutegreifer zu unterbinden. In 29 Prozent der untersuchten Fälle brachten Tötungen keine Verbesserung, in 43 Prozent der Fälle führten diese sogar zu noch mehr Schäden an Nutztieren. Im Gegensatz zu Herdenschutzmaßnahmen, die in 80 Prozent der Fälle erfolgreich vor Übergriffen schützten. „Unsere Untersuchungen in den USA und Europa haben ergeben, dass Abschüsse die Situation für LandwirtInnen oftmals sogar verschlimmern. NutztierhalterInnen wiegen sich in fälschlicher Sicherheit und ergreifen keine darüber hinaus gehenden Schutzmaßnahmen. Nachziehende Wölfe finden mit ungeschützten Herden einen gedeckten Tisch vor. Konflikte sind dadurch vorprogrammiert“, erklärt US-Studienautor Adrian Treves von der University of Wisconsin. Die Unwirksamkeit von letalen Eingriffen ist auch dadurch bedingt, dass sie das soziale Gefüge in Wolfsrudeln durcheinanderbringen. Der Abschuss eines Elterntieres kann beispielsweise dazu führen, dass Wölfe ihr Jagdverhalten ändern und wegen der fehlenden Erfahrung auf leichter zu erbeutende Tiere wie ungeschützte Schafe ausweichen.
Die Ergebnisse der Studie teilt der Tiroler Wanderschäfer Thomas Schranz aus eigener Erfahrung: „Mit der Forderung nach Abschuss streuen uns einige Politiker Sand in die Augen. Wird ein Wolf entnommen, kommt der nächste nach und das Spiel beginnt von vorne.“ Obwohl Bären, Wölfe und Luchse sein Weidegebiet im Tiroler Oberland durchstreifen, hat Schranz nur positive Erfahrungen mit Herdenschutz gemacht: „Ich schütze meine Schafe und Ziegen auf Heimflächen seit Jahren erfolgreich mit Hunden und sogar Lamas vor Übergriffen. Mehr Unterstützung von Seiten der heimischen Politik und bessere rechtliche Rahmenbedingungen sind überfällig, wenn andere diesem Beispiel folgen sollen.“
Die europapolitische Perspektive beleuchtet Marco Cipriani, Vertreter der EU-Kommission: „Das EU-Wettbewerbsrecht gibt den Weg frei für eine bis zu 100-prozentige staatliche Förderung von Herdenschutzmaßnahmen. Dies schafft die Rahmenbedingungen, um den strengen Schutzstatus von großen Beutegreifern auf Jahre aufrechtzuerhalten, ohne LandwirtInnen im Schutz ihrer Nutztiere alleine zu lassen.“ In der finanziellen Unterstützung durch Bund und Länder ortet der WWF noch starken Nachholbedarf in Österreich. Europäische Fördertöpfe werden hierzulande längst nicht ausgeschöpft.
Die internationale Fachkonferenz ‚Herdenschutz im Alpenraum‘ mit rund 40 internationalen ReferentInnen und über 200 TeilnehmerInnen wird durch den WWF Österreich in Zusammenarbeit mit Partnern des LIFE EuroLargeCarnivores-Projekts veranstaltet.
Mehr Information: https://www.eurolargecarnivores.eu
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
llegaler Tigerhandel: Neuer Report zeigt Schwächen in Südostasiens Justizsystemen
WWF, GuArdean und TRAFFIC analysieren Strafverfolgung in sieben Tiger-Verbreitungsstaaten – Drahtzieher und Geldgeber werden bisher zu selten belangt – WWF fordert verstärkte Kontrollen und internationale Zusammenarbeit
Italienischer Top-Experte kritisiert Tiroler Wolfsabschuss: WWF fordert lückenlose Aufklärung
Zoologe Marco Apollonio bezeichnet Abschuss von Forschungswolf Mirco als „dumm und unnötig“ – WWF verlangt vollständige und transparente Aufklärung durch die Tiroler Landesregierung.
WWF-Erfolg: Mehr Wasser für den Mühlbach
Mehr Wasser, mehr Artenvielfalt: Dank der erfolgreich umgesetzten Maßnahme an der Grenzmur führt der Mühlbach heute mehr als doppelt so viel Wasser wie früher.
Forschungswolf getötet – WWF kritisiert überzogene Abschusspolitik in Tirol
Artenschutzorganisation fordert Kurskorrektur im Wolfsmanagement – Besenderte Wölfe liefern wertvolle Daten für Herdenschutz und Prävention – Italien forscht, Österreich schießt ab
Kampf gegen Plastikmüll: WWF weitert Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus
Plastikkrise im Mittelmeer spitzt sich zu – Bereits vier Tonnen alte Fischereisausrüstung geborgen – Neue Tauchausbildung soll Bergungsmenge bis Jahresende verdoppeln – Ausweitung von Meeresschutzgebieten gefordert
WWF: Portugal investiert groß in Renaturierung, Österreich soll nachziehen
Portugal will 500 Millionen Euro jährlich in Wiederherstellung der Natur investieren – Gemessen an der stärkeren Wirtschaftskraft wären das in Österreich rund 840 Millionen Euro pro Jahr – WWF fordert rasche Vorlage des gesamten Renaturierungsplans von Bund und Ländern
WWF kritisiert lückenhaftes Umweltbudget
Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
WWF und BirdLife: Aktuelle Genanalyse des Mageninhalts liefert neue Erkenntnisse zur Vergiftung – Wölfe könnten das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein













