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Neue Studie zeigt Defizite der Wasserkraft: Solar und Wind sind zentral für naturverträgliche Energiewende
Im Vorfeld des Weltkongresses für Wasserkraft in Paris zeigt eine heute, Montag, veröffentlichte Studie der Natur- und Umweltschutzorganisationen WWF und The Nature Conservancy wie die globale Wende hin zu 100 Prozent erneuerbarer Energie gelingt, ohne dabei die letzten frei fließenden Flüsse zu verbauen. Demnach ist das Ausbaupotential für Wind- und Solarenergie weltweit bis zu zwanzigmal höher als im Bereich der Wasserkraft. Auch bezüglich der Wirtschaftlichkeit stellt die Studie deutliche Vorteile für Solar und Wind gegenüber Wasserkraft fest. Auch in Österreich hat Wasserkraft mit 80 Euro pro Megawattstunde höhere Vollkosten als Wind- und Solarenergie. „Die erneuerbare Energiewende muss wirkungsvoll, kostensparend und vor allem naturverträglich erfolgen“, fordert Fluss-Experte Gerhard Egger vom WWF Österreich angesichts der Studienergebnisse. „Aufgrund des dramatischen Ausmaßes des weltweiten Artensterbens muss das Energiesystem der Zukunft auch Natur- und Gewässerschutz berücksichtigen. Gerade in Österreich, wo der Ausbaugrad von Wasserkraft sehr hoch ist und 60 Prozent aller Flüsse keinen guten ökologischen Zustand aufweisen, muss die Energiewende klaren Naturverträglichkeitskriterien folgen“, so Gerhard Egger. Konkret fordert der WWF Österreich, dass im künftigen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), ein wirkungsvoller Klimaschutz- und Naturverträglichkeitscheck eingebaut wird. „Naturzerstörung darf nicht gefördert werden. Das gilt vor allem für den Wasserkraftausbau in den letzten naturbelassenen Gewässern oder Schutzgebieten“, so Egger.
Die neue WWF-Studie „Connected and Flowing“ zeigt auf, dass mit dem richtigen Energiemix an Erneuerbaren weltweit fast 165.000 Kilometer noch frei fließender Flüsse erhalten bleiben können, etwa am Mekong oder Amazonas und der globale Temperaturanstieg trotzdem auf 1.5 Grad begrenzt werden kann. Der Schlüssel dazu wird in der besseren Nutzung des enormen Potentials für naturverträgliche Wind- und Solarenergie gesehen. Demnach könne die Wasserkraft durch Modernisierung bestehender Anlagen und wo erforderlich durch Pumpspeicher abseits von Flüssen nur mehr eine unterstützende Rolle beitragen. Durch die Nachrüstung bestehender Wasserkraftwerke können Effizienzsteigerungen von 10 bis 30 Prozent erreicht werden, ohne Gewässer zusätzlich zu belasten.
„Wasserkraft ist zwar eine erneuerbare Energieform, die Unterbrechung der Wasser- und Sedimentkreisläufe hat jedoch gravierende Folgen für die Wasserqualität, die Versorgung mit Lebensmitteln und gefährdet weltweit den Lebensraum von Mensch und Natur“, erklärt WWF-Experte Gerhard Egger. „Weltweit sind nur noch 37 Prozent der großen Flüsse frei fließend. Mit der starken Verbauung gehen unschätzbare ökologische Funktionen für die Sicherung unserer Lebensgrundlagen verloren." Laut der Weltkommission für Dämme mussten allein bis zum Jahr 2000 bereits 40 bis 80 Millionen Menschen wegen Dämmen umgesiedelt werden. Das veränderte Fließverhalten der Flüsse hat auch Einfluss auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung. Die Wasserqualität verschlechtert sich, Flussdeltas schrumpfen und einige der produktivsten Fischbestände gehen verloren. Einen besseren Schutz von Flusssystemen sowie die Sanierung von Gewässern haben auch die Vereinten Nationen im Rahmen des IPBES (Intergovernmental Panel for Biodiversity and Ecosystems Services) als wirkvolle Maßnahme gegen das katastrophale Artensterben empfohlen. Der WWF Living Planet Index hat gerade bei Süßwasserarten seit 1970 einen besonders drastischen Rückgang von 83 Prozent festgestellt.
Österreich steht vor einer Weichenstellung
Für Österreich hat der WWF in einer detaillierten Studie aufgezeigt, dass auch hierzulande die Energiewende im Einklang mit Gewässerschutz möglich ist. Im Mittelpunkt stehen ein abgestimmter Energiemix sowie eine deutliche Verbrauchsreduktion. „Wasserkraft ist und bleibt eine wichtige Säule in Österreichs Energieversorgung. Allerdings können aufgrund des hohen Ausbaugrades und dem überwiegend schlechten Zustand der heimischen Flüsse nur noch zwei Terrawattstunden zusätzlicher Stromproduktion (Regelarbeitsvermögen) naturverträglich ausgebaut werden. Eine umfangreiche Analyse von mehr als 200 Kraftwerksprojekten in Österreich hat gezeigt, dass jeder weitere Ausbau unweigerlich hochsensible Flüsse und Schutzgebiete gefährden würde“, so Gerhard Egger. „Die Wasserkraft wird auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung spielen. In Österreich kann ihr Beitrag zur Energiewende angesichts des hohen Ausbaugrads und der schädlichen Nebenwirkungen jedoch nur gering ausfallen.“
Downloads: Energiewende und Gewässerschutz in Österreich
Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan, WWF-Pressesprecher, Tel. 0676/83 488 308, E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
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