Naturschutzorganisation fordert politische Maßnahmen gegen Bodenversiegelung – Österreich geht zu verschwenderisch mit wertvollen Böden um – Hohe Folgekosten für Gesamtgesellschaft
Regenwaldfreundliches Soja: Schnitzel genießen mit gutem Gewissen
Wien/Bozen, 9. Oktober 2009 – Soja ist für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie in unseren Breiten unverzichtbar. Den Bedarf kann die heimische Landwirtschaft aber nicht abdecken. Die immensen ökologischen und sozialen Folgen des Sojabooms zeigen sich deshalb nicht bei uns, sondern in den Hauptanbauländern Südamerikas.
Massive Abholzung tropischer Wälder und illegale Landnahmen sind nur zwei Beispiele. Um das Thema Nachhaltigkeit im Sojaanbau sowohl aus wissenschaftlicher als auch wirtschaftlicher Sicht zu beleuchten, luden der WWF und die Freie Universität Bozen gestern zur internationalen Sojatagung. Über 40 Vertreter aus der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie sowie der Forschung diskutierten die Chancen und Herausforderungen von gentechnikfreiem, nachhaltigem Soja in der Praxis. Ein Schwerpunkt der dreisprachigen Tagung waren die Basler Kriterien für nachhaltiges Soja. Die von WWF und der schweizer Einzelhandelskette Coop entwickelten Kriterien garantieren ökologische und soziale Standards in der Sojaproduktion. Einstimmiges Fazit des wirtschaftlich-wissenschaftlichen Austausches: Es mangelt nicht an nachhaltigem Soja, sondern an der Nachfrage und an Möglichkeiten nachhaltige Produkte auszuloben.
„Ein ständiger Austausch von Wissenschaft und Industrie ist ausschlaggebend für einen ökologisch und sozial verträglicheren Sojaanbau“, ist Axel Hein, WWF-Nachhaltigkeitsexperte, überzeugt. „Nach den Sojatagungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich der letzen Jahre freue ich mich sehr über die rege Teilnahme an der diesjährigen Veranstaltung.“ Als Vortragende begeisterten unter anderem Wissenschaftler der Universitäten Mailand, Tromsö und Bozen, Albert Wurzer aus dem südtiroler Landwirtschaftsressort, Alexandra Ribarits von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit und der Comboni-Missionar, Bruder Bruno Haspinger, der jahrelang brasilianische Kleinbauern vor Ort unterstützte. Erfahrungsberichte aus unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen und anschließende Podiumsdiskussionen zeigten, dass die Futtermittelbranche mehr und mehr gewillt ist ökologisch sowie sozial verträgliches Soja einzukaufen. Woran es noch fehlt, ist ein für den Konsumenten klar erkennbares Gütesiegel und damit die Möglichkeit für den Handel nachhaltige Sojaprodukte ausloben zu können und Nachfrage zu schaffen.
„Regenwaldfreundliches Soja für den österreichischen Markt ist keine Frage der Verfügbarkeit, sondern der Nachfrage“, betont Hein. „Der Weltmarkt bietet jährlich mehr als zwei Millionen Tonnen Soja nach Basler Kriterien. Der heimische Bedarf von rund 600.000 Tonnen zur Futtermittelproduktion wäre damit klar abdeckbar.“ Mit den Basler Kriterien steht den Unternehmen darüber hinaus ein Werkzeug zur Verfügung, um ihre ökologische und soziale Verantwortung zu zeigen, ergänzt Brigit Hofer von Coop Schweiz: „Ich bin überzeugt, dass nachhaltiges Soja in Zukunft zu einem wichtigen Marketingwerkzeug wird. Denn die Bedenken privater Verbraucher hinsichtlich ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung nehmen ständig zu.“
„Für den Konsumenten ist es beim Kauf von Fleisch- und Milchprodukten fast unmöglich zu erkennen, welche Art von Futtermittel eingesetzt wurde“, weiß Hein und appelliert an die heimische Wirtschaft. „Handelsketten und Futtermittelimporteure sind aufgerufen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und Nachhaltigkeitskriterien für ihre Sojaimporte zu erfüllen.“ Weiters fordert der WWF, dass bestehende Qualitätssiegel für heimische Fleischprodukte auch Kriterien für gentechnikfreies, ökologisch und sozial nachhaltiges Soja beinhalten.
Weitere Informationen:
Mag. (FH) Lisa Simon, WWF Pressesprecherin, Tel. +43 1 488 17 215 bzw. +43 676/83 488 215
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