Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
„Reine Lungau“: Milch für mehr Artenvielfalt
Wien/Salzburg, 18. Mai 2018 – Der 22. Mai ist der internationale Tag der Artenvielfalt. Die Art und Weise, wie wir uns ernähren und wie Nahrungsmittel produziert werden, hat dabei enorme Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Die „Reine Lungau“, ein gemeinsames Projekt der Bäuerinnen und Bauern aus dem Lungau, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, des Biosphärenparks Lungau, der SalzburgMilch und des WWF, setzt hier an. Es wird Milch produziert, wobei durch regionale Futtermittel und eine Vielzahl an Biodiversitäts-Maßnahmen die heimische, aber auch die globale Artenvielfalt bestmöglich berücksichtigt wird.
Die 57 Bäuerinnen und Bauern aus dem Lungau, die aktuell das Projekt „Reine Lungau“ unterstützen und mit ihrer hochwertigen Milch beliefern, setzen auf Artenvielfalt. Entgegen dem Trend der intensiven Landwirtschaft arbeiten sie gemäß der traditionellen, regionalen Kreislaufwirtschaft im Einklang mit Mensch, Tier und Natur – für die Artenvielfalt.
Regionalität als Erfolgsfaktor
Mit dem Vorhandenen auskommen – das ist die Devise der Lungauer Bauern. „Für die Milchproduktion werden ausschließlich Ressourcen eingesetzt, die aus dem Lungau stammen. So ein regionales System ist einzigartig und es freut uns zu sehen, dass es nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis sehr gut funktioniert“, erklärt Christian Leeb, Geschäftsführer der SalzburgMilch. Die „Reine Lungau“ Bäuerinnen und Bauern nutzen zu 98% Futtermittel, die sie auf ihren eigenen Feldern ohne künstliche Düngemittel produziert haben. Bei den restlichen 2% handelt es sich um zugekauftes Bio-Getreide, ebenfalls von Landwirtinnen und Landwirten aus dem Lungau.
Helene Glatter-Götz, WWF Referentin für Nachhaltige Ernährung, hat sich auch die Zusammensetzung des heimischen, biologisch produzierten Futters genauer angesehen. „Der Kraftfutter-Einsatz hat sich seit Beginn des Projektes „Reine Lungau“ im Vorjahr um 40% reduziert. Es werden also weniger Getreide und Eiweiß, dafür aber mehr Grünfutter gefüttert.“ Für die Artenvielfalt bringt das viele Vorteile: global gesehen, weil der Druck auf ökologisch wertvolle Gebiete wie Regenwälder abnimmt, wo noch immer riesige Flächen abgeholzt werden um Kraftfutter für österreichische Tiere anzubauen. Lokal gesehen, weil durch verringerten Nährstoffeintrag eine standortangepasste, extensivere Nutzung ermöglicht wird.
Artenvielfalt im Fokus
Um die Artenvielfalt im Lungau weiter zu fördern und seltene Arten, wie z.B. das stark gefährdete Braunkehlchen (Rote Liste Österreich) zu schützen, entwickelte die HBLFA Raumberg-Gumpenstein gemeinsam mit dem WWF ein Biodiversitätskonzept für die „Reine Lungau“ Betriebe. Dabei wurden alle Landwirtinnen und Landwirte mit Unterstützung der Naturschutzabteilung des Landes Salzburg persönlich zu den Themen Düngemanagement, abgestufter Wiesenbau und Biodiversitätsmaßnahmen beraten. „Die Betriebe des Projektes „Reine Lungau“ unterstützen aktiv die seit 2004 laufende Artenschutzinitiative der Naturschutzabteilung für das Braunkehlchen im Lungauer Zentralraum. Im Rahmen der einzelbetrieblichen Beratungsgespräche konnten zusätzliche Pflegevereinbarungen für spät gemähte Wiesen und die Anlage von Wiesenrandstreifen fixiert werden“, freut sich Günter Jaritz, zuständiger Projektleiter des Landes Salzburg.
Milch als Umweltfaktor
Die Art und Weise, wie Milch produziert wird, hat Auswirkungen auf unsere Umwelt – unsere Böden, unser Wasser, unser Klima und unsere Artenvielfalt. Dabei entwickelt sich der Trend immer stärker hin zu Masse statt Klasse: die Bewirtschaftung der Felder wird stetig intensiviert. Durch einen starken Einsatz von Düngemitteln und das häufigere Mähen von Grünflächen gerät die heimische Artenvielfalt zunehmend unter Druck: Insekten sowie Brutvögel verschwinden immer stärker von der Bildfläche. Sowohl deren Anzahl als auch deren Vielfalt nimmt stetig ab. In vielen Regionen Mitteleuropas hat sich der Bestand von Insekten seit dem Jahr 1982 um bis zu 80 Prozent verringert. Die Ergebnisse des Brutvogelmonitorings zeigen, dass mehr als die Hälfte des Bestandes der 22 wichtigsten österreichischen Vogelarten der Kulturlandschaft eine negative Entwicklung aufzeigen.
Zur Kooperation WWF und SalzburgMilch
Die Molkerei SalzburgMilch und der WWF Österreich setzen sich gemeinsam für authentische Bio-Milchprodukte und den Erhalt der Artenvielfalt ein. Durch die Umsetzung von ambitionierten Zielen leistet die Kooperation einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft im Einklang mit der Natur. Diese umfassen u.a. die Erhöhung des Bio-Anteils, welcher bei der gesamten SalzburgMilch um 5-10% in den nächsten 3-5 Jahren gesteigert werden soll. Im Lungau werden noch höhere Ziele gesetzt: Eine Steigerung des Bio-Bauern-Anteils um 20% in den nächsten 3-5 Jahren ist Teil einer langfristigen Vision der Bio-Modellregion.
Rückfragehinweis:
Theresa Gral, WWF Pressesprecherin, +43 676 83488 216, theresa.gral@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung [AL1.1]diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz
WWF zum Natura 2000-Tag: Neue EU-Daten zeigen schlechte Lage der Biodiversität in Österreich
Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
WWF zur Inflation: Fossile Energien sind zentraler Preistreiber
Ein Drittel der Teuerung geht auf höhere Treibstoff- und Heizölpreise zurück – WWF fordert mehr Energieeffizienz, Abbau umweltschädlicher Subventionen und naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien – Spritpreisbremse nahezu wirkungslos
WWF zu EABG-Verhandlungen: Regierung muss ihren Entwurf grundlegend verbessern
Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit
WWF: Mehr als 1.300 geschützte Tiere seit 2020 in Österreich getötet
Abschüsse von Bibern, Fischottern, Wölfen und Greifvögeln nehmen deutlich zu – WWF warnt vor „Normalisierung“ der Tötung geschützter Arten – Neue Kampagne gestartet
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität
Grasende Rinder sichern Lebensraum für seltene Arten – Vorzeigemodell: WWF fordert Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich













