„Reh umgefahren – halb so wild“: Versicherung verharmlost Wildunfälle – WWF fordert Rücknahme des Sujets und verantwortungsvolle Werbung
Wieher! Ein Jahr Pferdeweide in Marchegg – der WWF zieht Bilanz
Presseaussendung
Wien/Marchegg, am 13. Mai 2016 – Vor einem Jahr hat das WWF Auenreservat Marchegg Zuwachs auf vier Hufen bekommen: Sechs graubraune Koniks, weitläufige Verwandte des ausgestorbenen europäischen Wildpferdes, wurden aus Polen übersiedelt. Leitstute Dymnica, sowie die Stuten Lyrika, Humka, Namba, Hadrina und Tortula, freundeten sich rasch untereinander und mit ihrer neuen Heimat an. Den Pferden stehen 70 Hektar natürliche Auenlandschaft mit üppigen Wiesen, dichten Wäldern, Bächen und Augewässern zur Verfügung. „Das erste Jahr war ein absoluter Erfolg. Den Tieren geht es sehr gut und das Auenreservat entwickelt sich dank der schonenden Beweidung noch naturnäher“, freut sich Gerhard Egger, Projektleiter des WWF. „Sorgen, dass die Tiere mit dem Hochwasser nicht zurechtkommen, oder dass sie den Auwald meiden werden, haben sich nicht bewahrheitet“.
Offiziell eröffnet wurde die Weidefläche am 20. Mai 2015 durch den niederösterreichischen Naturschutzlandesrat Stephan Pernkopf, WWF-Ehrenpräsident Helmut Pechlaner, Bürgermeister Gernot Haupt und WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides. Ziel des Projekts ist es, das Auenreservat Marchegg noch ein Stück naturnäher und attraktiver zu machen. 70 Hektar Auwiesen, Seggenrieder und Auwälder werden seit letztem Jahr besonders naturschonend und wie vor Hunderten von Jahren durch Pferde und Rinder genutzt und gepflegt. Neben den Pferden grasen derzeit fünf Wasserbüffel und 15 Mutterkühe mit Nachwuchs von WWF Beweidungspartner Vinzenz Harbich auf der Fläche. Zwei Teilflächen werden zur Sicherung der Storchenwiesen heuer zusätzlich einmal gemäht.
Koniks als Feinschmecker? Überraschende Erkenntnisse bei der Diät
Im ersten Probejahr wurde das Verhalten der Pferde, ihre Anpassung an den Lebensraum und die Auswirkungen auf die Natur – etwa auf die Vogelwelt, auf Heuschrecken und auf Pflanzen – intensiv untersucht. Besonders bemerkenswert ist die Raumnutzung der Koniks: Am häufigsten waren sie in den Quirl-Eschenwäldern des Gebiets unterwegs; zum Fressen bevorzugten sie die Halbtrockenrasen auf der Badwiese sowie die Überschwemmungswiesen beim Mühlbach. Von der Tätigkeit der Pferde profitierten unter anderem die Weißstörche, die den deutlich niedrigeren Weidrasen zur Nahrungsaufnahme nutzten, sowie der Neuntöter, eine geschützte Vogelart, die auf der Weide bereits häufiger vorkommt. Interessant ist auch die abwechslungsreiche Diät der Pferde. Neben Gräsern und Kräutern der Weidefläche fraßen sie auch Teichrosen, junge Zweige von Pappeln und Eschenahorn, sowie als besonderen Leckerbissen Wildbirnen. Giftpflanzen wie die Herbstzeitlose werden verschmäht.
Der Weidezaun schützt die Pferde, ist aber für Wildtiere durchlässig
Nach Errichtung des Zaunes im letzten Jahr wurde von Seiten einiger Bürger die Sorge geäußert, der Weidezaun könnte den Wildwechsel behindern. Deshalb wurden alle Wildwechsel regelmäßig kontrolliert. Zwischen Juni 2015 und Mai 2016 konnten mit mehreren Fotofallen an zwölf markanten Wildwechseln am Rand der Weidefläche mehr als 300 Nachweise von Wildschwein, Reh, Fuchs, sowie seltener von Dachs, Biber und Rotwild gesammelt werden. „Es hat sich gezeigt, dass Reh und Wildschwein problemlos unter dem untersten Zaunbalken durchschlüpfen können. Das Rotwild hingegen setzt problemlos über die relativ niedrigen Pferdezäune“, erläutert Egger.
Begegnungszone für Pferde und Besucher wird intensiv genutzt
Koniks sind sehr selbstständige Pferde. Die Herde im Auenreservat lebt in einer Form, die am ehesten den natürlichen Bedingungen entspricht. Trotzdem ist eine intensive, regelmäßige Kontrolle notwendig. Die Pferdebetreuer von WWF und dem Storchenhaus Marchegg haben durchschnittlich zwei Stunden pro Tag auf der Weidefläche verbracht, Besucher über die Verhaltensregeln aufgeklärt und das Verhalten der Pferde dokumentiert. „Bis auf zwei Ausbruchsversuche, die dank der Freiwilligen Feuerwehr Marchegg glücklich ausgegangen sind, gab es keine ernsten Zwischenfälle,“ zieht Egger Bilanz und ergänzt: „Der Großteil der Besucher hält sich an die Spielregeln, die ein gefahrloses Zusammentreffen von Pferden und Naturbesuchern gewährleisten.“ Besonders wichtig ist das Fütterungsverbot. Falsches Futter, wie beispielsweise Brot, kann die Gesundheit der Pferde ernsthaft gefährden. Außerdem könnten die schlauen Tiere durch Fütterung neugierig werden und zu betteln beginnen. Das könnte für Besucher sehr lästig werden. Deshalb gilt im gesamten Gebiet ein strenges Fütterungsverbot.
Naturbegeisterte können sich bei einer exklusiven Exkursion vom Storchenhaus Marchegg auf die Pferdeweide selbst einen Eindruck von der Entwicklung machen. Führungen können unter www.wwf.at/storchenhaus gebucht werden. Regelmäßige Updates über das Projekt sind auf dem Online Weidetagebuch www.wwf.at/konik-weidetagebuch zu finden.
Das Konik-Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung durch das EU LIFE+Programm umgesetzt, da es maßgeblich zur Erhaltung des Natura 2000 – Gebietes Untere Marchauen beiträgt: Die grasenden Tiere verhindern durch ihre Huftritte und das Fressverhalten das Verbuschen der Wiesen und Zuwachsen der Auwälder und begünstigen die Artenvielfalt. Der WWF begründete die Herde 2015 mit sechs Stuten. Im Laufe der Zeit soll sie auf einen Zielbestand von 20 Tieren anwachsen.
Rückfragehinweis:
Theresa Gral, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/48817-216, E-Mail: theresa.gral@wwf.at
Gerhard Egger, WWF Naturschutzabteilung, Tel. 0676 / 83 488 272, E-Mail: gerhard.egger@wwf.at
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