WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF und VIER PFOTEN starten Petition gegen Massentötung von Fischottern
St. Pölten/ Klagenfurt, am 25.11.2019 – Dank des strengen europaweiten Schutzes wird der einst nahezu ausgestorbene Fischotter in Österreich langsam wieder heimisch. Doch kaum ist die Population vereinzelt auf dem Weg der Besserung, tritt die Politik den Tier- und Naturschutz erneut mit Füßen. Hunderte Tiere stehen auf der Abschussliste. In Kärnten gilt eine umstrittene Verordnung, die alljährlich bis zu 43 Fischotter das Leben kostet. Die niederösterreichische Landesregierung plant sogar den Abschuss von bis zu 180 Tieren in den nächsten drei Jahren. Um die Massentötungen zu stoppen, starten die Naturschutzorganisation WWF Österreich und die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN eine gemeinsame Petition: „Ein großer Naturschutzerfolg ist in Gefahr. Niederösterreich und Kärnten handeln willkürlich und ignorieren europäisches Naturschutzrecht. Aus kurzsichtigem Profitstreben wird der Fischotter abgeschossen anstatt endlich unsere heimischen Flüsse und Fische besser zu schützen. Dieses Vorgehen ist rücksichtslos, löst kein einziges Problem und verursacht nur unnötiges Tierleid“, begründen die beiden Organisationen ihren Appell, der sich an die Spitzen der verantwortlichen Landesregierungen richtet – konkret an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landeshauptmann Peter Kaiser. Die Petition ist unter wwf.at/fischotter-petition abrufbar.
Wie ein WWF-Report auf Basis von Berichtsdaten Österreichs an die EU-Kommission belegt, liegt der Rückgang der Fischpopulationen hauptsächlich an der starken Verbauung, Regulierung und Verschmutzung unserer Flüsse und Seen. Dazu kommen ökologisch falsche Fisch-Besatzmethoden. „Fischotter-Abschüsse sollen offensichtlich von den eigenen Versäumnissen ablenken. Denn wer heimische Wildfische schützen will, muss zuerst ihre Lebensräume bewahren und sanieren. Das untermauern selbst die eigenen Untersuchungen der Bundesländer. Dennoch passiert hier immer noch viel zu wenig“, kritisiert WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre. Sie verweist auf die wichtige Rolle der Fischotter im Ökosystem. Als „Gesundheitspolizei“ innerhalb der Nahrungskette halten sie heimische Wildfischbestände gesund und drängen gefährliche invasive Arten zurück. Tötungen einzelner Individuen einer Tierart, die sich über das Angebot an Lebensraum und Nahrung selbst reguliert, sind strikt abzulehnen. Auch die Teichwirtschaft muss sich innerhalb des europarechtlichen Rahmens bewegen. Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz von Zuchtfischen wie beispielsweise Zäunungen sind unumgänglich. Wenn nachweißlich doch etwas passieren sollte, müssen Schäden ausreichend kompensiert werden.
Die Fischotter-Tötungen sind auch ein grausamer Angriff auf den Tierschutz: „Paarungen sind bei Ottern ganzjährig möglich. Wird eine säugende Fischotter-Mutter getötet, bleiben ihre Jungtiere zurück und verenden elendiglich. Abschüsse und sogar der Einsatz von Totschlagfallen sind bereits jetzt traurige Realität. Dass derart skrupellos Tierleid in Kauf genommen wird, muss entschieden bekämpft werden“, sagt Martina Pluda, Kampagnenleiterin von VIER PFOTEN. Sie betont: „Die Tötung von Tieren ist in Österreich nach §6 Tierschutzgesetz ganz klar geregelt. Im Fall der Fischotter liegt absolut kein plausibler Grund für eine solche Tötung vor.“ Vielmehr bedrohen Entnahmen die Erholung des Fischotter-Bestands, die nur langsam voranschreitet, weil die Aufzucht von Jungtieren mit großem Aufwand verbunden ist. Deshalb bekommen Weibchen im Schnitt lediglich zwei Mal in ihrem Leben Nachwuchs. „Nehmen Niederösterreich und Kärnten ihr Bekenntnis zum Tier- und Artenschutz ernst, muss die Rücknahme der Abschuss-Verordnungen erfolgen“, schließen WWF und VIER PFOTEN.
Petition von WWF und VIER PFOTEN: https://www.wwf.at/fischotter-petition
Download des WWF-Reports ‚Warum Tieren das Wasser bis zum Hals steht – Status und Belastungsfaktoren ausgewählter Tierarten in Österreich‘: https://cutt.ly/teAlF1t
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt
WWF-Check: Rund ein Drittel der Grillfleisch-Angebote ohne österreichische Herkunft
95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget













