Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
Die Hälfte des UNESCO-Weltnaturerbes ist bedroht
Presseaussendung WWF
Wien, 6. April 2016 – Knapp die Hälfte aller UNESCO-Welterbe-Stätten sind durch Öl- und Gasbohrungen, Bergbau und illegalen Holzeinschlag in ihrer Existenz bedroht. Dies hat ein neuer Bericht des WWF festgestellt, der heute veröffentlicht wurde. Der Bericht zeigt klar auf, wie das Welterbe zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und zum Naturschutz beiträgt, beschreibt aber auch die aktuellen Bedrohungen dieser für die ganze Welt wichtigen Plätze. Unter den bedrohten Stätten sind etwa das Barrier Riff in Belize oder der Virunga-Nationalpark in Afrika. Auch in der EU sind neun Stätten bedroht, darunter das Donaudelta, die Plitvicer Seen in Kroatien und die Lagune von Venedig. „Wir müssen diese Stätten schützen, denn sie schützen auch unser Leben“, mahnt der Generaldirektor des WWF International, Marco Lambertini. Mit diesem Bericht startet der WWF heute eine weltweite Kampagne zum Schutz des Weltnaturerbes.
Nach dem vorliegenden Bericht sind 114 von 229 Naturerbe-Stätten durch Konzessionen bedroht, die industrielle Aktivitäten erlauben. Zwei Drittel aller Stätten sind für die Wasserversorgung wichtig. Mehr als 90 Prozent der ausgewiesenen Weltnaturerbe-Stätten sichern Arbeitsplätze und tragen durch Tourismus, Naherholung und nachhaltigen Ressourcenabbau zu den Volkswirtschaften der Länder bei. „Die weltweiten Naturerbe-Stätten sollten den höchsten Schutzstatus haben und dennoch ist es oft sehr schwierig diese wichtigen Regionen der Erdoberfläche zu schützen“, warnt Lambertini. „Es handelt sich dabei um die kostbarsten und einzigartigsten Plätze der Welt. Wir müssen intensiv zusammenarbeiten um sie für die gesamte Menschheit zu retten.“
Auch in Europa sind neun Stätten des UNESCO-Weltnaturerbes bedroht, wie der Bericht zeigt. Unter den durch Öl- und Gaslizenzen, Bergbau, Abholzung, nicht nachhaltige Wassernutzung oder durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur betroffenen Orten sind etwa die Lagune von Venedig, das Donaudelta und die Plitvicer Seen in Kroatien. „All diese Naturschönheiten sind zwar heute noch durch die Europäische Natura 2000 – Gesetzgebung theoretisch geschützt. Aber diese muss auch respektiert und voll implementiert werden. Die Europäische Kommission darf nicht zulassen, dass dieses Erfolgsmodell zugunsten von kurzfristigen Profitinteressen abgeändert wird“, so WWF-Experte Christian Pichler.
Insgesamt bedeckt das Weltnaturerbe fast 2,8 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht etwa einem halben Prozent der Erdoberfläche. Elf Millionen Menschen hängen vom Überleben dieser Stätten direkt ab, denn sie sorgen für Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung, den Erhalt der Artenvielfalt und helfen den Klimawandel zu bekämpfen. Das Weltnaturerbe ist auch ein wichtiger Faktor um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, so der WWF, denn 90 Prozent all dieser Stätten garantieren Arbeitsplätze und haben Wirkungen, die weit über die Grenzen hinausreichen. Der WWF ruft die Regierungen der Welt sowie die Unternehmen auf, langfristige Schutzziele über die kurzfristigen Profitziele zu stellen. Statt dem Ausbau industrieller Aktivitäten braucht es nachhaltige Alternativen um das Weltnaturerbe zu schützen.
Ein aktuelles Beispiel für die massive Bedrohung ist das Barrier Riff in Belize, das durch Küstenbebauungen, Abholzung der Mangrovenwälder, Ölbohrungen und Einträge aus der Landwirtschaft gefährdet ist. Dadurch sind die Lebensgrundlagen von 190.000 Menschen – das ist die Hälfte der Landesbevölkerung – bedroht. Weitere Beispiele für Welterbe-Stätten in Gefahr liegen in Spanien (Doñana Nationalpark) und in Tansania.
Der WWF startet nun eine weltweite Kampagne zum Schutz des Weltnaturerbes. Dabei werden die Unternehmen aufgefordert alles zu unterlassen, was die Naturschutzgebiete gefährden könnte. Auch die Regierungen der Länder werden kontaktiert um industrielle Aktivitäten, die negative Auswirkungen auf die Stätten haben könnten, zu verhindern. Der WWF wird außerdem großes Augenmerk auf die Finanzströme legen, die in nicht nachhaltige Projekte in und um Welterbe-Stätten fließen.
Weitere Informationen:
Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231; E-Mail: franko.petri@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF-Erfolg: Durchbruch bei Renaturierung an der Mur
Der WWF hat drei große Renaturierungsmaßnahmen in Slowenien erfolgreich abgeschlossen – mit spürbaren Effekten bis nach Österreich. Davon profitieren zahlreiche Arten wie Eisvögel und Uferschwalben.
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.
Statusbericht Wolf: 121 Wölfe in Österreich nachgewiesen, weniger Rudel, kaum Nachwuchs
Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz
Brutsaison am Inn: WWF und BirdLife appellieren für mehr Rücksicht auf seltene Kiesbrüter
Gefährdete Vogelarten brüten am Inn – Steigende Bestände bei Flussuferläufern geben Hoffnung – Naturschutzorganisationen warnen vor Störungen durch Menschen












