© Andrey Popov

Lebensmittelverschwendung
Zu viele genießbare Lebensmitteln landen statt am Teller in der Tonne

Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel geht vom Feld auf den Teller verloren. Das ist ein klares soziales und ökonomisches Problem, doch damit nicht genug: Für das Klima bedeutet jedes Kilogramm noch genießbares, entsorgtes Essen eine enorme Belastung!

Die Herstellung von Lebensmitteln ist energieintensiv und es entstehen erhebliche Mengen an Treibhausgasen. Außerdem nimmt sie viel Fläche in Anspruch, die der Natur dann nicht mehr zur Verfügung steht.

Die Verschwendung wertvoller Nahrungsmittel feuert Klimakrise und Artensterben an!

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Zahlen & Fakten

  • Weltweit geht 1/3 aller produzierten Lebensmittel entlang der Wertschöfpungskette verloren.
  • 1 Million Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle entstehen in Österreich jedes Jahr – valide Zahlen der Landwirtschaft fehlen allerdings.
  • Wäre Lebensmittelverschwendung ein Land, wäre es der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen, direkt nach den USA und China (FAO).

Herausforderungen

Deshalb ist Lebensmittelverschwendung ein Problem

Herausforderung 1: Belastung für Natur und Klima

In Österreich werden etwa 20 % des CO2-Fußabdrucks durch die Produktion und den Konsum von Nahrungsmitteln verursacht. Unsere Lebensmittel werden angebaut und geerntet, mehrmals transportiert, gelagert, oft gekühlt oder verarbeitet und schlussendlich zubereitet. All das verbraucht enorm viele Ressourcen und Energie. Trotzdem landet etwa 1/3 im Müll. Zirka 16 % der Treibhausgasemissionen unserer Ernährung in der EU sind auf die sinnlose Vergeudung von Essen zurückzuführen. Jedes Kilogramm an wertvollen Lebensmitteln im Mist ist somit eine unnötige Belastung für unseren Planeten.

 

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CIRCA 16 % DER TREIBHAUSGASEMISSIONEN UNSERER ERNÄHRUNG SIND AUF VERMEIDBARE LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG ZURÜCKZUFÜHREN

Herausforderung 2: Verschwendung vom Feld bis auf den Teller

Vermeidbare Lebensmittelabfälle entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Auf dem Feld, im Handel und bei den Endverbraucher*innen. “Vom Feld auf den Teller” landen so in Österreich etwa 1 Millionen Tonnen genussfähiges Essen im Müll, wobei aus dem landwirtschaftlichen Sektor keine validen Zahlen verfügbar sind. Sowohl Haushalte, die Landwirtschaft, Produktionsbetriebe, Handel und die Außer-Haus-Verpflegung sind dafür verantwortlich und müssen an Lösungen arbeiten.

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Lebensmittel Müllberg

Herausforderung 3: Fehlende politische Maßnahmen

Die UN-Nachhaltigkeitsagenda hat 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung definiert. Ziel 12 fordert eine Transformation hin zu verantwortungsvollen Konsum- und Produktionsmustern, unter anderem durch die Reduktion von Lebensmittelverschwendung.

Die UN-Nachhaltigkeitsagenda wurde von 193 UN-Mitgliedsstaaten, auch von Österreich, unterzeichnet. Daher ist die österreichische Bundesregierung gefordert, eine ambitionierte Strategie vorzulegen, um dieses Ziel zu erreichen.

 

 

Leerer Konferenztisch

Lösungen

So können wir die Lebensmittelverschwendung in den Griff bekommen

Lösung 1: Lebensmittelverschwendung im Haushalt stoppen

Etwa die Hälfte der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Österreich entsteht direkt zu Hause. Jährlich landen dadurch bis zu 521.000 Tonnen an genießbaren Lebensmitteln im Wert von bis zu 800 Euro pro Haushalt im Mist. Eine unnötige Verschwendung mit enormen Auswirkungen: Nicht nur auf die Geldbörse, sondern auch auf die Gesellschaft, unsere Natur und unser Klima. In der Studie „Lebensmittelverschwendung in österreichischen Haushalten“ ist der WWF gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur den Fragen nachgegangen welche Produkte im Müll landen und warum.

Um Lebensmittel nicht zu verschwenden, helfen gute Einkaufsplanung, richtige Lagerung, unser Geruchs- und Geschmackssinn und kreative Resteverwertung. Weitere ganz konkrete Infos und Tipps gibt es hier: Praxistipps gegen Lebensmittelverschwendung.

Teller statt Tonne

Lösung 2: Business Case Food Waste

Auch Unternehmen können bei der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung einen großen Hebel haben. Schließlich entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Lebensmittelabfälle. Außerdem  essen wir oft in der Bürokantine oder in Restaurants anstatt zuhause. Dass sich Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung auch wirtschaftlich rentieren, zeigt eine Studie der UN-Initiative, in der Unternehmen verschiedener Branchen wie Hotellerie, Gastronomie und Handel zum Thema „Business Case Food Waste“ befragt. Das Ergebnis: 99 Prozent der Unternehmen hatten bei einer Investition in Vermeidung von Lebensmittelabfällen eine positive Rendite. Die größten Einsparungspotenziale wurden im Bereich Gastronomie nachgewiesen. Über die gesamte Wertschöpfungskette gesehen bekommen Unternehmen durchschnittlich das 14-fache für Investitionen gegen Lebensmittelverschwendung zurück. Die finanziellen Vorteile ergaben sich insbesondere durch einen geringeren Wareneinkauf, einen höheren Anteil der an Konsumenten und Konsumentinnen verkauften Lebensmitteln und der Reduktion der Abfallmanagement-Kosten.

Gleichzeitig wächst aber auch der Bedarf nach konkreten Richtlinien, wie die Wirtschaft am effektivsten zur Erreichung der Ziele beitragen kann und vergleichbare Daten erhält. Für die Lebensmittelbranche und Retailer bietet der Food Loss and Waste Accounting and Reporting Standard eine Chance, ihren ökologischen und sozialen Fußabdruck zu verringern und somit zur Erreichung der SDGs beizutragen.

Jemand schmeisst Müll weg

Lösung 3: Ambitionierte Tonnen-Politik

Die Politik muss entsprechende Rahmenbedingungen für die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und -verlusten schaffen. Wir fordern von der Bundesregierung einen konkreten österreichweiten Aktionsplan, damit die vermeidbaren Lebensmittelabfälle bis 2030 um die Hälfte reduziert werden können. Dieser Aktionsplan sollte folgendes beinhalten:

  • Klare Strategien: Verbindliche Maßnahmenpakete und Reduktionsziele für alle betroffenen Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette („vom Feld bis zum Teller“), sowie die Evaluierung bestehender Gesetze und Fördersysteme.
  • Klare Daten: Flächendeckende regelmäßige Datenerhebung sowie ein jährlicher Bericht zur Einhaltung der Reduktionsziele.
  • Klare Zuständigkeiten statt Zersplitterung: eine einzige verantwortliche Koordinierungsstelle anstatt der jetzigen Aufteilung des Bereichs auf mehrere Ministerien.
Nachhaltige Ernährung

Lebensmittelverschwendung geht uns alle etwas an. Wir müssen jetzt beginnen, aktiv gegen das unnötige Wegwerfen wertvoller Nahrungsressourcen anzukämpfen. Nur so kann die Ernährungswende gelingen.

Olivia Herzog

Programm-Managerin Nachhaltige Ernährung, WWF Österreich

Projekte

So engagiert sich der WWF gegen Lebensmittelverschwendung

Datenlücken schließen – Veröffentlichen von Zahlen und Fakten zu vermeidbarer Lebensmittelverschwendung

Vom Feld auf den Teller, also entlang der gesamten Wertschöpfungskette, gehen genussfähige Nahrungsmittel verloren. Neue Schätzungen ergeben allein für Österreich in Summe eine jährliche Menge an vermeidbarer Lebensmittelverschwendung von rund 1 Million Tonnen. Haushalte, Landwirtschaft, Produktionsbetriebe, Handel, Außer-Haus-Verpflegung und die Politik sind gefordert: Gemeinsam müssen wir die Verantwortung für einen achtsamen Umgang mit Nahrungsmitteln tragen und eine Trendwende schaffen.

Eine wichtige Basis für die Reduktion der Lebensmittelabfälle sind wissenschaftliche Daten. Daher arbeiten wir mit Partnern daran die Wissenslücke zu schließen und veröffentlichen Studien zum Thema.

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Bewusstseinsbildung und politische Arbeit

Am 2. Mai ist Tag der Lebensmittelverschwendung. Denn rechnerisch landen alle Lebensmittel, die von Jahresbeginn bis zu diesem Tag produzierten werden, im Müll. Der WWF nutzt diesen Anlass, um das öffentliche Bewusstsein für die Problematik zu schärfen und Lösungen zur Vermeidung unnötiger Verschwendung aufzuzeigen.

Stoppen wir gemeinsam die unnötige Verschwendung wertvoller Lebensmittel mit enormen Auswirkungen auf Geldbörse, Gesellschaft, Klima und Natur!

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Vermeidungsmaßnahmen umsetzen

In unserer Arbeit mit Unternehmen zum Thema Lebensmittelverschwendung setzen wir uns für wirksame Maßnahmen und konkrete Ziele zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung ein und unterstützen Unternehmen auf ihrem Weg dorthin.

In enger Zusammenarbeit haben der WWF, das österreichische Ökologie-Institut und der Großhändler KASTNER das Thema Lebensmittelverschwendung im Großhandelssektor genauer unter die Lupe genommen, um die bestehende Datenlücke in diesem Bereich zu schließen. Die Ergebnisse zeigen: Im österreichischen Lebensmittelgroßhandel fallen jährlich 10.300 Tonnen vermeidbare Nahrungsmittelabfälle an.

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